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IV DEREUXORIA
angeführten Gründe, daß eine schlechte Amme dem Kind schädliche Leidenschaftenübertragen könne, sind auch dieselben, die sich bei Barbaro finden 34 . Leonardo siehtdie Kinderzucht nicht so tragisch und melancholisch an wie Adovardo. «Einen Tagliegen die Kinder halbtot im Bett und den andern Tag springen sie schon wiederkreuzvergnügt draußen herum. Und wenn doch einmal ein Kind stirbt, so soll manmehr dankbar sein für die Freude, die man an ihm gehabt hat, statt zu wehklagen,daß es einem entrissen ist.» Bei Alberti treten die antiken Zitate, die bei Barbaro undbei Vergerio noch den Hauptbestandteil ihrer Werke machten, schon zurück, deneignen Beobachtungen ist bei dem späteren Florentiner breiterer Raum gegeben.Dadurch, daß er die italienische Sprache und nicht mehr die lateinische wählt, be-kundet er, daß er mit seinem Werke nicht mehr vor den engeren, aber europäischenKreis der humanistischen Lateinkundigen treten will, sondern allgemein vor seineitalienisch sprechenden Mitbürger.
Nach der Erziehung der Söhne wird auch die Ausbildung der jungen Hausfrau insAuge gefaßt. Leon Battista stellt uns den großen Grundherrn vor Augen, der sich einjunges Mädchen zur Frau wählt, und läßt uns die beiden Ehegatten auf allen Schrittenim Hause begleiten, wie der Gatte in aller Zartheit und Sorgsamkeit das schüchternejunge Mädchen zur herrschenden Hausfrau erzieht; aber dabei bleibt es auch; an dengeistigen Interessen läßt er sie keineswegs teilnehmen: sie soll nicht wissen, was ihrMann auf diesem Gebiet treibt, während Barbaro, ebenso Poggio der Frau einengrößeren Anteil an dem Planen und Sorgen des Mannes einzuräumen scheinen.
Das Buch sollte, wie seine Absicht war, für seinen Clan, dessen männ-liche Mitglieder aus Florenz verbannt waren, einen Zusammenhalt,eine Art Familiensatzung bilden. Aber seine nüchtern praktischen Ver-wandten waren wenig für solch theoretische Unterweisungen emp-fänglich; sie glaubten selbst genug davon zu verstehen. So ver-schmäht, wandte sich Leon Battista der Öffentlichkeit zu. Nach dieserRichtung ward den beiden lateinisch schreibenden Vorgängern einbesseres Schicksal, da sie von den Empfängern der Widmungen wohlaufgenommen wurden und ihre Wirkung nicht verfehlten. Albertis vol-leres und reicheres Werk ist ohne seine lateinischen Vorgänger nichtdenkbar.
Sowohl der Verfasser des Buches della famiglia wie der von De reuxoria waren unverheiratet. Während Alberto zeitlebens Junggeselleblieb, machte Barbaro bald Ernst mit seinen Lehren und befolgte sie alserster. Wie er sich freilich später zu seiner Frau verhielt, entzieht sichunserer Kenntnis, da wir zwar vom weiteren öffentlichen Leben Bar-baros viel, von seinem Familienleben jedoch wenig wissen und innerhalb