NACHWIRKUNG DE RE UXORIA
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seines Hauses auch nur von seinem Neffen, Sohne und den Töchtern,fast gar nichts aber von der Gattin 35 .
Später findet sich eine Briefstelle, in der Barbaro sich über sein Jugend-werk äußert. Aus seiner Villa bei Treviso , aus San Vigilio, schreibt er Endedes Jahres 1447, also 32 Jahre nach dem Erscheinen des Buches, an einenbefreundeten venezianischen Patrizier, der ihn wegen dieses Werkchensgelobt hatte 36 : «Weil du den humanistischen Studien und der Wissenschaftergeben bist, an denen auch ich mich erlabe, so wundere ich mich nicht,da uns dieses gemeinsame und sanfte Band verknüpft, — dafür sinddeine eleganten Briefe Zeuge — daß du mit einiger Freude das gelesenhast, was ich in der Blüte der Jugend über den Ehestand schrieb. Weildu uns nämlich Hebst und an unsern Dingen Anteil nimmst, so kann dirnicht mißfallen, was uns Heb ist. Ich freue mich, daß dir unser Buchso gut gefällt; wieweit es mir gelungen ist, das sei dem Urteil andererLeute überlassen; doch weil es vielen hochberühmten und trefflichenMenschen gefallen hat, so kann ich auch jetzt nicht anders, als michdaran freuen als an den Erstlingen meiner Studien.»Richten wir nun den Blick über Italien hinaus nach dem übrigen Europa ,so gewahren wir, daß die Wirkung von Barbaros Werk sehr ungleich war.In Frankreich ist von einem Einfluß überhaupt nichts zu spüren, hierschlössen ihn die Verhältnisse aus. Nach einer kurzen Blüte huma-nistischer Studien am Ende des XIV. Jahrhunderts, wo Jean de Mon-treuil als Handschriftensucher mit Coluccio Salutati in Beziehung tratund Nicolas de Clemangis sich dem Humanismus zuneigte, brachen dieAnfänge jäh ab; es folgte der hundertjährige Krieg mit Burgund undEngland. Montreuil wurde von den Burgundern bei der Eroberung vonParis erschlagen. Bis zu dem Rom- oder vielmehr Neapelzug Karls VIII .ist in dieser wirren französischen Epoche keine Rede mehr von huma-nistischen Beziehungen zu Italien . Man findet in einer Gesandtschaftsrededes Bernardo Giustiniani, des Sohnes Leonardos, die Äußerung zu KönigLudwig XI. 37 : «Ihr Franzosen mögt eingedenk sein, daß ihr die lateini-schen Wissenschaften von den Italienern empfangen habt.» So war esdamals nötig, diese Verbundenheit erst wieder ins Gedächtnis zu rufen.Zwar wurde auch in Frankreich zu Lebzeiten Barbaros die Frage nachden Rechten und Pflichten der Frau leidenschaftlich erörtert, aber noch