und wenn du nicht um den Staat so wohl verdient wärest, ... so müßtedein Kopf die Brescianer lehren, daß, solange ich lebe, weder Balduccionoch irgendein unbeamteter Bürger mehr vermag als die Majestät desStaates (publica maiestas).> Und so schalt er mit rollenden Augen dieUnverschämtheit des Mannes, daß dieser auf der Stelle um Verzeihungbat und sie auch erhielt. Und da war keiner, der nicht seine Schärfe,Majestät und Klugheit gelobt und die Wildheit jenes parteiischen Men-schen getadelt hätte. Kurz darauf und ohne Zeugen ermahnte er gütlichden Balduccio, daß er nicht daran denken solle, die eigne Macht zusteigern, sondern von nun an die Würde des Staates zu mehren.» So derBericht eines Augenzeugen, des Evangelista Manelmi, des MitkämpfersBarbaros, der in seinem Auftrag ein Tagebuch über den damaligenKrieg abfaßte 12 .
Während Barbaro auf dem gefährdeten Außenposten stand, saß in derRegierung Venedigs der zweite bedeutende venezianische Staatsmannder Zeit, Leonardo Giustiniani , sein Freund und älterer Mitschüler beiGuarino, mit dem er in seiner Jugend in der Plutarchübersetzung gewett-eifert hatte. Barbaro sah seine Giustiniani ergänzende staatsmännische Auf-gabe unter dem Bild des gemeinsamen Dienstes in der Seeschlacht. Erselber stehe im Kampf auf dem Vorderdeck des Staatsschiffes, — vielleichtdachte er dabei seines heldischen Vorfahrs Marco, der vorne auf seinemSchiff kämpfend der Familie Ehrennamen und Wappen errungen hatte —Giustiniani aber stehe hinten auf dem Hinterdeck am Staatsruder des all-gewaltigen kleinen Rates, der Signorie. Wenn Barbaro vorne oft die Wogenüber dem Kopf zusammenschlugen, so rief er während der schweren Zeitnach hinten: Ihr auf dem Hinterdeck unseres Schiffes, schlaft ihr und laßtmich vorne in meiner Not im Stiche ? Aber die Signorie hielt unbeirrt wieimmer das Steuer in den Händen, verbat sich empört die Zumutung, daßsie schliefe in solcher Zeit, half, wo sie konnte, und schwieg und ließ ihrenBarbaro vorne im Sturme aushalten, denn sie wußte, daß er der einzigeMann war, der standhalten und den Staat retten konnte. Als sie noch vordem Sturm hören muß, daß Barbaro krank darniederliege, da bemäch-tigt sich doch eine innere Erregung dieser unerschütterlichen Staatslenkerund sie bestellten schleunigst einen Vertreter für die Zeit seiner Krank-heit. Kurz nach der entscheidenden Senatssitzung 13 schreibt Giustinani