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einen langen besorgten Brief an den vom Fieber geschüttelten Barbaro.Die Angst um die Gesundheit des Freundes mischt sich mit der Sorge umden Staat. «Jetzt, da der Staat von der Gefahr befreit werden soll, war nichtsunerwünschter als deine Krankheit.»Der erste der vielen bevorstehendenKämpfe müsse jetzt bei Barbaro die Überwindung der eigenen Krankheitsein, denn seine Gesundheit und das Staatswohl seien zu ein und derselbenSache geworden. «Der Senat fordert vieles und großes von dir. Damit dufür dich sorgen kannst, schickt er dir den Thomas Duodo als Provisor zudeiner Hilfe.» Aus den geheimen Senatsakten erfahren wir, daß dieserDuodo sich nur für einen Monat verpflichtete. Nach dem Geschäfts-gang des Senates wurde abgestimmt, welcher Nobile ein bestimmtesAmt zu übernehmen hätte, mit dem Zusatz: falls er ablehne, müsseer eine Buße von 200 Dukaten zahlen. Da nun die venezianischen Nobilimeist Handelsherren waren, kam es häufig vor, daß sie sich von ihrenPrivatgeschäften unabkömmlich glaubten, ablehnten und lieber die er-kleckliche Buße als Geschäftsunkosten buchten, als sich einen nochgrößeren Handelsgewinn entgehen zu lassen. So hatte Thomas Duododringende Geschäfte und bat den Senat, ihn nur für einen Monat zuverpflichten; zum Ersatz will er Amt und Reiseaufwand aus eigenerKasse bestreiten. Über den Vorschlag wird abgestimmt, und man nimmtihn an 14 . Diese Verhandlung gewährt uns einen interessanten Einblick indie fiskalischen Eigentümlichkeiten der venezianischen Regierung, wiedie Nobilität sich untereinander zu besteuern wußte, so daß der Staats-kasse auch außerordentlich Einnahmen zuflössen. Daß in der ganzenAmtslaufbahn von Francesco Barbaro nie ein solcher Fall zu Aktengenommen wurde — Amtsverweigerung wegen Krankheit blieb buße-frei, — läßt vermuten, daß er selbst ungleich seinem Vater niemals Handels-herr gewesen ist, abgesehen davon, daß sonst nirgends dergleichenerwähnt wird und er auch bei seinen vielen Amtsposten außerhalb Vene-digs kaum dafür hätte Zeit finden dürfen, im Gegensatz zu LeonardoGiustiniani , der meistens in den verschiedenen Ratskollegien in Venedigsaß und daneben, wie man weiß, große Handelsgeschäfte tätigte.Der oben erwähnte Vorfall zeigt, daß Barbaro den Übeln gegenüberdurchaus kein stoischer, fühlloser Charakter war. Fieber und böse Nach-richten über das Zurückgehen der venezianischen Truppen drücken ihn