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hatten die Venezianer in jenen Zeiten kein Glück. Den Grafen Carma-gnola hatten sie hingerichtet, weil er des Einverständnisses mit demFeinde überführt war, der nächste, der Marchese von Gonzaga, fiel jetztvon ihnen ab, und der dritte, der vielgepriesene Graf Sforza, wurdegar Mailänder Herzog und damit ihr grimmer Feind; allein den beidenKondottieren, die ihnen auf die Dauer treu blieben, Gattamelata undColleoni , errichteten sie, wie bekannt, herrliche Standbilder, die denDank der Signorie auch heute noch verkünden. Dies beweist gerade,welche Ausnahme die Gefeierten waren.
Der Marchese Gonzaga scheint ohne erfindlichen Grund von Venedigabgefallen zu sein. Zwar behauptet der Geschichtsschreiber des HausesGonzaga, Piatina 23 , zur Verteidigung, er habe es nach dem Mißerfolgam Oglio nicht mehr wagen dürfen, sich nach Brescia in die Hand derVenezianer zu begeben, die ihm ein gleiches Schicksal wie seinem Vor-gänger Carmagnola hätten bereiten wollen. Das wird aber durch zweiBriefe von venezianischer Seite widerlegt. Die Handlungsweise, die sichnachher der Marchese gegen eine venezianische Schiffsmannschaft zu-schulden kommen Heß, sieht eher nach schlechtem Gewissen aus. Voreinem unglücklichen Gefecht der venezianischen Po-Flotille hatten dieerbosten Matrosen gerufen: Ewiva San Marco! Muoia il traditoreMarchese di Mantova! Dafür ließ ihnen nach der Gefangennahmeder Marchese Hände und Zungen abschneiden.
Unter den obenerwähnten Briefen findet sich einer an Gattamelata , der zujener Zeit erster Offizier unter Gonzaga war, in dem die Signorie bekennenmuß, daß Barbaro und auch Gattamelata weitsichtiger gewesen seien; sieselbst aber hätte damals gegen den Marchese keinen Argwohn aufkommenlassen wollen: «Die guten Worte, die er uns gab, und die väterliche Zunei-gung, die wir zu ihm hatten, haben uns getäuscht... Doch endlich, wieEurer Magnifizenz zweifellos schon bekannt ist, hat sich der Marcheseoffen für den Herzog von Mailand erklärt. Deswegen lassen wir aber denMut nicht sinken und sind entschlossen... männlich und hochsinnigdas zu tun, was getan werden muß 24 ...» In solch heroischer Haltunggegenüber der Gefahr besteht von jeher die Größe Venedigs.Auch von dem am meisten bedrohten Barbaro ist ein Brief aus jener Zeitunmittelbar an den Markgrafen erhalten. Der Gonzaga hatte ihm über