BARBARO AN DEN MARCHESE VON MANTUA 207
einen Brief seines fünfzehnjährigen Sohnes Zacharias, worin dieserseinem Onkel Ermolao von einer Ruhmestat des Marchese im StileCasars berichtete, lobend geschrieben. Jetzt lehnt Barbaro jede Ver-traulichkeit ab und antwortet kurz angebunden: «Zu deinem Brief übermeinen Sohn Zacharias ist nichts mehr zu schreiben. Da vom Recht ab-gewichen wurde und göttliches und menschliches Recht dadurch schwerverletzt ist, daß wir überfallen wurden, ehe uns Fehde angesagt war, sohabe ich mit Deiner Exzellenz nicht mehr über Recht zu streiten, son-dern, wie ich zu sehen glaube, mit Dir mit Waffen um die Entscheidungzu kämpfen.» Soweit der erzürnte Kommandant Brescias. Der Rest desBriefes zeigt wieder Barbaros weise Mäßigung. Er läßt seine unbezwing-liche Liebenswürdigkeit zugunsten seiner staatsmännischen und diplo-matischen Ziele spielen. Der Mantuaner gehörte nicht zu den frevelhaftenRenaissancefürsten; Barbaro hatte mit ihm seit jeher freundschaftlicheBeziehungen gepflegt, zumal der allerseits verehrte Vittorino da FeltrePrinzenerzieher an seinem Hofe war. Barbaro fährt fort: «Persönlich aberhabe ich seit früher Jugend immer Deine Hoheit geliebt und verehrt, undvon Amts wegen habe ich nie etwas unterlassen, was ich in Treuen undWürden deinem Lobe und Ruhme schuldig war, solange du ein Freundmeines Vaterlandes sein wolltest. Nach bestem Können und Müssenbetraure ich, daß etwas zwischen uns getreten ist, was deinen Sinn demFeinde zuwandte und unserer ruhmvollen Republik entfremdete, die dochdeinen und deines erlauchten Vaters Staat — laß mich von den übrigenVorfahren schweigen — in zweifelhaften und gefährlichen Zeitläuftenebenso schützen und schirmen zu müssen glaubte als unseren eignen.Bei wem aber die Schuld liegt, wird besser verschwiegen als niederge-schrieben. Doch ich wünsche, daß bei dir und mir mehr das Gedächtnisan die alten Verdienste vermöchte als das an die neue Unbill 25 , t Dieseversöhnliche Haltung ermöglichte es Barbaro später (1443) als Gesandterseiner Republik an den Hof des Marchese zu gehen.Gonzaga hatte seinen Abfall nur allmählich vollzogen. Zuerst hörtendie Brescianer, daß der Marchese in der Winterkälte seine Truppen vonden Vorposten, die Brescia am Oglioübergang deckten, zurückgezogenhätte, so daß Barbaro schleunigst die Bürgerwehr hinausschicken mußte.Dann, als die diesjährige Condotta mit Venedig abgelaufen war, ritt der