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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VERSCHWÖRUNG UND TREUE DER BRESCIANER 211

und Brescianer Landschaft besetzt, das von der Heerstraße nach Vene-tien abgelegene feste Bergamo blieb im ganzen Feldzug vom Feinde un-belästigt während im Rücken der Gonzaga von Mantua aus ins verone-sische Gebiet einfiel und der Stadt Brescia die rückwärtigen Verbindungennach Venedig abschnitt. Der wohlausgedachte Kriegsplan des MailänderKondottieren suchte dem venezianischen Heer im Raum von Brescia alleRückzugs- und Versorgungsstraßen in der Ebene zu sperren und es durchdie bald zu erwartende Hungersnot zur Übergabe zu zwingen. DieseSorge lastete auch auf den Regierenden in Venedig, und in der letzten Zeitvor der vollkommenen Abschließung Brescias von der Außenwelt liefein lebhafter Briefwechsel zwischen den Brescianer Rektoren, dem Ober-feldherrn Gattamelata und der venezianischen Signorie. Die Sorge derSignorie ging nach zwei Seiten, sie wollte sowohl das Heer als auchBrescia retten. Wenn aber das Heer in Brescia blieb, war beider Verlustunabwendbar. Da faßte Barbaro den kühnen heldenhaften Entschluß,auch ohne Hilfe des großen Heeres der überlegenen Macht des Feindeszu trotzen, nur mit Unterstützung der zuverlässigen Besatzung undder wildentschlossenen Bürgerschaft. In diesem Sinne schrieb er an dieSignorie, erhielt jedoch zunächst unbestimmten Bescheid; man wolltedort die große Verantwortung nicht auf sich nehmen, denn wie solltesich Brescia ohne den Beistand des Heeres halten ? Gattamelata beharrteaber auf seinem Entschluß, abzuziehen, und so willigt schließlich auchdie Signorie ein. Von dem über Erwarten schönen Opfermut der Bres-cianer ist sie gerührt, denn Barbaro hatte durch seine häufigen Berichtedie Regierung zu Hause nicht nur auf dem laufenden gehalten, sondernihr auf das entschiedenste nahegelegt, sich für solche außerordentlicheTreue erkenntlich zu zeigen. Demzufolge setzte man am 12. Juli im Do-genpalast ein allergnädigstes Schreiben auf «an die Edlen und Getreuen,unsre viellieben Bürger und Gemeinde unserer Stadt Brescia ». KeineWorte finde der Senat, um seiner Genugtuung Ausdruck zu verleihen, sowolle er sie durch die Tat bezeugen und überlasse den Brescianern fürimmer die Einnahmen in Höhe von 20000 Dukaten 31 , die dem veneziani-schen Staatsschatz aus dem Erträgnis der Brescianer Mühlen zuflössen. Dasgefiel den Brescianern wohl, und sie nahmen zu Protokoll: «Es wurde imRat der Dogenbrief verlesen, voll von honigsüßem Tau der Liebe 32 .»

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