Unstimmigkeit zwischen Pietro Avvogadro und Herrn Paris aus demWege geräumt. Avvogadro wird als erprobter und ortskundiger Führerfür den schwierigen Marsch ausersehen. Damit er sich aber nicht benach-teiligt fühlt, weiß Barbaro auch seinen städtischen Rivalen Martinengomit einem auswärtigen Auftrag von der Stadt fernzuhalten.Barbaro überlegt sich nun, wen er als ausdauernden Mitkämpfer bei sichbehalten will. Den Abmarsch der Truppen hatte er selbst gewünscht, da erdas Heer auf jeden Fall seiner Vaterstadt zu erhalten wünschte. Barbaro istdamals so beschäftigt, daß er mehrere Nächte nicht zum Schlafen kommt.Alle waffenfähigen Bürger unterzieht er einer Musterung, sein Platz waram Stadttor und von den Vorbeimarschierenden werden nur die vonihm herausgelassen, die bei der Verteidigung entbehrlich sind. Das warzugleich die Säuberung von lichtscheuem Gesindel, das denn auch draußennach acht Tagen schon auseinander lief. Als alle Truppen durch das Tormarschiert waren, blieb er allein mit Gattamelata zurück und eröffneteihm: Größte Eile sei beim Abzug geboten, denn der Feind werde auf derStelle folgen 36 . Die Signorie hatte zuletzt selber gedrängt, daß der Ab-marsch vonstatten gehe, solange noch Piccinino die Burg Orzinuovi (Oglio ) belagere 37 . Nun war Barbaro zur Stunde schon der Fall dieserBurg gemeldet worden, und das Anrücken des Feindes auf Brescia wartäglich zu erwarten, aber dies verheimlichte er Gatta und dem abziehen-den Heere, um sie nicht unnütz zu beunruhigen. Wollte er doch ver-hindern, daß die Soldaten nicht noch im letzten Augenblick vor demschwierigen Unternehmen zurückschreckten und zum allgemeinen Ver-derben dablieben. Der Abschied fällt Gattamelata , dem tapferen Soldaten,schwer. Er fürchtet, daß er den Barbaro als eine sichere Beute den Klauendes Feindes überliefern muß. Der aber bleibt unverzagt, er denkt nicht andie Gefahr, die ihm selber droht, und ist nur von Sorge für den Staat unddie Erhaltung des Heeres erfüllt 36 . Barbaro spricht das stolze Wort aus:Er ziehe es vor, lieber von seinem Staat im Stiche gelassen zu werden, alsdaß er seinen Staat im Stiche ließe 38 . Dann rät er noch zum Schluß demKondottiere, alle Brücken in den Alpentälern hinter sich abzubrechen, da-mit keinem der Gedanke käme, nach Brescia zurückzukehren: in die Hoff-nungslosigkeit auf eine Rückkehr solle er alle Hoffnung seines Marschessetzen 39 . Beiden Kriegern, die hier voneinander schieden, stand jetzt die
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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Seite
213
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