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den grandiosen Schilderungen der italienischen Pest von Boccaccio undManzoni kennen, brach über die Stadt herein. Zu Ende des Jahres wirdmit Trompetenschall ausgerufen, daß kein Althändler alte Kleider, Tücherund Laken ankaufen dürfe, da durch diese Gegenstände die Ansteckungimmer von neuem verbreitet würde. Auch die Totengräber der an SeuchenGestorbenen wurden zerniert, und man verbot ihnen, sich unter die Ge-sunden zu mischen, namentlich in den Kirchen. Standhaft und lakonischteilt Barbaro einmal seinem Sohne Zacharias mit: «Hier wütet bei weitemschlimmer als gewöhnlich die Pest; doch weder Todesfurcht noch irgend-eine andere Bedrängnis zieht unser Gemüt von der bangen Sorge um denStaat ab, dem ich nächst Gott mein Leben geweiht habe 45 .»Acht Tage nach ihrer Ankunft begannen die mailändischen Kanonen dasBombardement aus 80 Schlünden; das war für damalige Zeiten viel. Aus derStadt erwiderte man das Feuer auf die feindlichen Batterien. Barbaro stelltefür die in die Wälle geschossenen Breschen Material bereit und ließ i3Ver-teidigungstürmchen auf der Umwallung außerhalb der Mauer anlegen 46 .Auf vielerlei mußte er in dieser schlimmen Zeit verfallen, um seine Mit-kämpfer bei Mut und guter Laune zu halten. Bald erhielt er, wie Manelmierzählt, Briefe erfreulichen Inhalts, die er aber selber an sich geschriebenhatte, bald waren es Boten, die angeblich von außen die frohe Kundebrachten, daß man in Venedig schon an den Entsatz Brescias dächte,dann wieder hatte Barbaro bedeutsame Träume, die er seinen Bürgernerzählen konnte; als ein vom göttlichen Hauche Inspirierter deutete erdaraus das der Stadt Heilsame 47 . Während des heißen Kampfes schweigtnatürlich der sonst so gern und rege geführte Briefwechsel. Aber imOktober erhielt er zu seiner Überraschung aus dem feindlichen Lagereinen anteilnehmenden Brief. Dort befand sich, man weiß nicht, zuwelchem Behufe, ein Studienfreund Barbaros aus seiner Paduaner Uni-versitätszeit, der Abt eines im Gebiete von Ferrara gelegenen Klosters,Zambeccari. Dieser schrieb ihm besorgt, daß Barbaro an seine Gesund-heit und sein Heil denken möge. Barbaro mochte den guten Rat zu diesemZeitpunkt nicht gerade für passend halten; er antwortet aber doch sehrhöflich, froh, sich für einen Augenblick in eine andere Gedankenwelt ver-setzen zu dürfen, er entsänne sich noch gerne der Zeit, wo er Zambeccaribei Zacharias Trevisan in Padua getroffen habe. Später, als Zambeccari