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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VII DIE BELAGERUNG VON BRESCIA

um ihre Söldner zu löhnen eine, wie wir wissen, eitle Hoffnung.Außerdem verspricht er die Brescianer Frauen, deren Männer und Vätersie erschlügen, ihnen preiszugeben. Schließlich verheißt er, daß nachder Eroberung Brescias noch andere, ertragreichere Unternehmungenfolgen würden. Das alles wissen wir freilich nur aus Feindesmund (Ma-nelmi). Da auch die Brescianer wußten, was ihnen bevorstand, wurdean diesem letzte Schlachttage mit unbeschreibücher Erbitterung ge-kämpft. Ein zweistündiger Angriff der Mailänder bei Torlonga bringtsie nicht vorwärts, aber danach bricht bei Ravarotto weit gefährlicher undstärker Italiano hervor; er setzt plötzlich seine mit schweren Ritter-rüstungen gewappnete Reiterei ein, an deren starkwandigen Brünnen undHelmen die von den Brescianern geschleuderten Geschosse abprallen.Diese Ritter waren mit Spezialtruppen zu Fuß untermischt, die mit lan-gen Haken alle diejenigen herunterzerrten, die sich auf dem Walle zurVerteidigung zeigten. Außerdem bestrichen Arkebusiere mit ihren Ge-schossen den Wall. Das Gewehr, das wegen seines Gewichtes zumZielen auf eine Gabel gelegt werden mußte, war damals noch nicht all-gemeine Waffe der Infanterie. Endlich schleudern die Feinde auchBrandpfeile auf den Wall und richten damit große Verheerungen an;doch wendete gerade dies eine große Gefahr für die Brescianer ab, dennder durch die Brandpfeile verursachte dichte Rauch verschleierte den An-greifern die Sicht. Sie merkten nicht, daß eine große Strecke des Wallesvon Verteidigern ganz entblößt war; erst wieder auf das Geschrei derFrauen hin wurden diese Lücken von den sobenannten 400 Unsterblichenbemannt. Diese waren eine Kerntruppe, deren Verluste immer sofortaufgefüllt wurden, um sie in Vollzähligkeit jederzeit schlagbereit zuhalten. Im übrigen verteidigten sich die Brescianer mit denselben Mittelnwie am Tage zuvor, nur daß noch beim Ausgießen der Pechfässer derWind einen so beizenden Rauch in die Augen der Angreifer blies, daßdiese nicht mehr zielen konnten und ihre aufs Geratewohl geschleudertenGeschosse nicht mehr trafen. Als Barbaro bemerkte, wie die Feinde schonmüder und schwächer wurden, machte er mit einer auserlesenen Schareinen Ausfall aus der Porta di Torlonga und zwang dadurch die An-greifer, ihre Schanzen zu verlassen. Die Brescianer stürzen sich nunauf die feindlichen Gräben und zerstören sie. Nach seiner Niederlage zieht