DER 14. DEZEMBER 1438
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sich Piccinino in sein Lager zurück, die Brescianer in ihre Stadt. Hinterihnen läßt Barbaro die Tore schließen und verbietet, daß noch jemandherausgeht, denn die siegestrunkenen Verteidiger wollten am liebstenden Angreifern auf dem Fuße ins Lager folgen und sie dort nieder-hauen. Es wäre sie aber nach so viel Verlusten noch teuer zu stehengekommen, hätten sie sich zu dem Wagnis hinreißen lassen.So war am Abend des 14. Dezember Brescia endgültig von der Bestür-mung befreit. Der Feind wagte niemals mehr einen Angriff wie in denbeiden letzten Tagen. Damit war jedoch erst die Hälfte der Mühen über-wunden, weil jetzt der Gegner die Stadt auszuhungern versuchte. Tagsdarauf fanden auf Veranlassung des Podestä Dankprozessionen des ge-samten Klerus statt, die durch die ganze Stadt ziehen. Währenddessenwird aber die Bewachung nicht vernachlässigt. Man vernichtet die vomFeinde im Stich gelassenen Belagerungsgerätschaften und geht, wo geradedie Bresche am meisten klafft, an den Wiederaufbau der zerstörtenMauern. Jetzt bewilligten die Brescianer eine Umlage, um den Söld-nern den wohlverdienten Lohn auszubezahlen, und zur Belohnung wurdeallen Verwundeten und Nichtverwundeten eine besondere Ration Zuckergespendet, denn die Verluste waren für damalige Verhältnisse beträchtlich.Etwa 800 Bürger waren gefallen, 200 von der venezianischen Besatzungund über 5 00 Bauern, Handwerker und Arbeiter. Piccinino hingegen verlorbei seinen vergeblichen Anstürmen 2000 Mann, darunter allein 200 vor-nehme und bekannte Personen. Am 17. Dezember bricht er sein Lager abund führt die Truppen in die weitere Umgebung. Im Hinterhalt läßt er nochzwei Kompagnien zurück, um die aus der Stadt herauskommenden Bresci-aner zu überfallen und sich an ihnen zu rächen. Aber vergebens; Barbarowar zu wachsam und hatte zu gute Späher. Auch in dieser letzten Hoffnunggetäuscht, legt Piccinino seine erschöpften Truppen in das von ihm be-festigte Mompiano. Die Brescianer schleifen sogleich die Befestigungendes verlassenen Lagers. Damit schließt das denkwürdige Jahr 1438.Das nächste Jahr ist nicht mehr, wie das letzte, durch blutigen Kampfum Brescia ausgezeichnet, sondern durch den geistigen Kampf. Man mages eine humanistische Invektive heißen mit Rede, Gegenrede und Wider-rede, doch unterschied sich dieser geistige Kampf von früheren Rüge-schriften, die wir kennengelernt haben, bei denen es nur um unbeträchtliche