DER 13. DEZEMBER 1438
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Wasser, ungelöschten Kalk, auch siedendes Pech, das durch die Spal-ten und Ritzen der Helme durchsickert und auch die kühnsten Ein-dringlinge kampfunfähig macht. Da alle Deckung verschwunden war,denn es gab keine Mauern, Gräben und Wälle mehr, mußten die Bre-scianer sich jetzt ungedeckt dem Feinde entgegenwerfen, und da, wieBarbaro später seinem Neffen berichtet 64 , kein Geschoß mehr sein Zielverfehlte, galt es, zu streiten und zu fallen. Im heißesten Ringen kommtden Brescianern unvermutet von außen Entsatz. Der Kommandant vonBergamo , Scaramuccia di Forll, hat von der Not der SchwesterstadtBrescia gehört und kommt ihr zu Hilfe; freilich nur mit 29 Mann, aberdie moralische Wirkung auf die Brescianer war ungeheuer, da das Gerüchtsich verbreitete, daß von Bergamo Hilfe heranmarschiere. Namentlich dieFrauen auf der Mauer brechen auf diese Nachricht hin in ein Freuden-geschrei aus, das spornt die Männer an und erfüllt sie mit Mut.Die Soldaten Piccininos beginnen, nachdem sie den ganzen Tag ver-gebens gekämpft haben, zu murren und gegen ihren General zu schelten,daß er aus reiner Habgier so viele tapfere Männer hingeopfert habe. Nochvor Abend wird bei Mombello der Kampf abgebrochen, doch will Picci-nino seine Sache noch nicht verloren geben und befiehlt den Nahkampfan einer Stelle, wo bisher nur aus der Ferne gestritten worden war, beiTorlonga . Um seine Leute besser zum Angriff anfeuern zu können, be-gibt sich der General selbst in diesen Kampfabschnitt. Während dorthart gekämpft wird, verbreitet sich das Gerücht, der Feind sei bereitsin die Stadt eingedrungen und die Brandschatzung habe begonnen.Daraufhin raffen sich die letzten schwachen Greise, Frauen und Kinder,die in der Stadt zurückgebheben waren, auf und stürzen zu den Kämp-fenden. Der Anblick dieser Schar, die ja nichts ausrichten konnte, rührtedie Brescianer so, daß ihnen noch einmal neue Kraft zufloß und sie miteinem letzten Aufschwung den Feind vollständig vertrieben. Dann sankdie Nacht herab; doch da die Brescianer nun des Schutzes, den ihnensonst die Mauern gewährt hatten, beraubt waren, mußten sie die ganzeNacht vor einem feindlichen Überfall auf der Hut sein. Doch erst beimMorgendämmern befiehlt Piccinino einen Reiterangriff. Er verlockt seineLeute wiederum mit dem «sacco di Brescia» und macht sie auf das Geldder Venezianer lüstern, das diese angeblich in der Burg verwahrt hielten,
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