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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VII DIE BELAGERUNG VON BRESCIA

Gefahren nie etwas beschlossen hat, was nach einem Lob für uns klingt:in fünf Monaten hat er kein einziges Mal geantwortet, weder auf meineBriefe noch auf die meines Amtsgenossen.» Dann ereifert sich Barbaronoch mehr: «Ihr (meine Freunde) lehnt in meinem Namen ab dasheißt, ich will noch deutlicher sprechen ihr legt diese Provinz in dieHände des Senates zurück, damit ich für mein Leben und für meineGesundheit sorgen kann und mich um die Begabung und die gutenSitten des Zacharias kümmere, dem ich mehr schulde als allen diesenUndankbaren, die es nicht ertragen können, wenn ein um den Staat wohl-verdienter Mann gelobt wird. Dies schreibe ich ungern, aber ich mußes schreiben 76 .» Er droht sogar: wenn er nicht bald in Ehren abgelöstwerde, müsse er trotz aller Standhaftigkeit in kurzem mit seiner StadtBrescia zusammenbrechen. So Barbaro schon im ersten seiner KlagebriefeMitte Januar. Es sind Notschreie, die einem bedrängten Gemüte Luftmachen sollen; er will damit jedoch nicht ein endgültiges und letztesWort gesprochen haben. Er mußte noch lange aushalten. Glücklicher-weise wurde er durch die Arbeit des Tages und seine Anteilnahme anden ferneren Kriegsereignissen, von denen wir noch hören werden, ab-gelenkt. Nachdem er fast 8 Monate ohne Nachricht aus der Heimat ge-blieben war, beginnt er am Wohlwollen der alten Freunde zu zweifeln.Auch seine häufigen Eingaben an den Dogen und den Senat bliebenunbeantwortet, so daß sein Stolz ihm rät, der Behörde gegenüber sichkünftig schweigend zu verhalten 77 . Doch als man ihn zehn Monate ohnealle Unterstützung gelassen hatte und der Mai verstrichen war, brichtseine Empörung abermals los. Sucht man in der Weltgeschichte nacheiner der seinen ähnlichen Schicksalslage, so könnte man etwa an Hannibal denken, auf dessen Mannheit allein das punische Heer sich stützenmußte, während es im feindlichen Lande lange Zeit ohne die geringsteUnterstützung von Karthago blieb. Man merkt es den Worten Barbarosan, daß es zum Äußersten gekommen ist. «Doch während durch größteFeigheit oder Pflichtvergessenheit diesem (Brescianer) Volke die Hoff-nung geraubt wurde, daß seiner Treue und der Würde des venezianischenStaates je Genüge geschehe, ist mir einzelnem alle Last aufgebürdet, daßich ohne die geringste menschliche Hoffnung dieses Volk in Treuen auf-recht erhalten muß. Ich habe dafür zu stehen, daß die Garnison ohne