BARBARO WIRD NICHT ABGELÖST
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Löhnung, ohne Versorgung, ohne Futter und ohne irgendeine Hilfe beiPest und Hunger sich doch um den Staat wohl verdient macht. Wie dasaber geschehen kann, das sehen die nicht ein, die den Staat in diesesUnglück gestoßen haben. Wahrlich, mir tut das Vaterland leid, das heuteweder seine Gesittung hochhält noch seine Würde und Majestät nachBrauch der Vorfahren wahrt. Ich schriebe noch mehr, wenn der Botenicht Eile hätte. Ich bemitleide euch aber, daß die Gewalt des Sturmes somächtig gewesen ist, daß ihn die Väter unseres Staats nicht mehr ertragenkonnten oder daß ihr Gemüt eher geschwächt als aufgepeitscht wurde,den Staat zu seiner einstigen Würde wieder aufzurichten. In großerund standhafter Gesinnung denke ich aber hier an nichts anderes alsan des Vaterlandes Freiheit, und inmitten so vieler Strudel und Klippennehme ich mir vor, den rechten Kurs zu steuern, wenn ich auch nichtzum Hafen gelangen kann: und weil ein Mann, ein Steuermann, not tut,verlasse ich das Steuerruder nicht, mag ich auch durch die Schuld desSenates oder anderer Leute schon fast versunken sein. Dennoch muß ich,so Gott will, entweder mich emporarbeiten, oder aufrechten Mutes zu-grunde gehen, und wenn das Vaterland seine Würde nicht vergessen hat,mag es mir, ob ich nun lebe oder tot bin, seinen Dank abstatten. . . .Meine großen Verdienste um den Staat werden mich trösten, mein Leben,das ich der Natur schulde, dem Vaterland, allen Wohlgesinnten und vorallem Gott hingegeben zu haben 78 . »Noch in späteren, ruhigeren Jahren, alsder Sturm umBrescia längst verbraust war, hat sich Barbaro dieser Gemüts-verfassung erinnert und geäußert:«das,was damals in der Drangsal kaum er-träglich schien, heute ist es süß in der Erinnerung. «Blieb auch noch fürlängere Zeit eine Äußerung des Dankes und der Hilfe von Seiten der Regie-rung aus, schließlich rührten sich doch wenigstens die nächsten Freunde,die er in Venedig zurückgelassen hatte, zuerst der wackere Pietro Tommasi,der als Hausarzt während der Abwesenheit Francescos über die Gesund-heit der Seinen wachte. Auf Barbaros Drängen nach einem Nachfolgergibt er die erste Nachricht aus der Hauptstadt 79 . Der Senat habe in langerBeratung niemand finden können, der so kühn, so verwegen wie Barbarowäre und der gewagt hätte, statt seiner, bei solchem Sturm und in ihmunbekannten Gewässern, an den Bug des Staatsschiffes zu treten. — Mansieht, auch Tommasi ist Venezianer und bedient sich wie sein Freund