BARBARO WIRD NICHT ABGELÖST
tore angeklebt, und es ging wohl aus unzufriedenen Teilen der Bürger-schaft hervor. Darüber geriet die ganze Stadt in Aufregung und Em-pörung; man erklärte den Vorfall als Majestätsbeleidigung, setzte aufdie Fahndung des Täters eine hohe Belohnung und drohte dem Schul-digen eine schwere Bestrafung an. Der Stadtrat hielt es überdies für seinePflicht, eine Ehrenerklärung für Barbaro abzugeben. In den Akten vom12. Juni 1439 heißt es: «Zu Schutz und Wahrung der Stadt verhielt ersich nicht wie ein auswärtiger Kommandant, sondern wie der Vaterund liebste Beschützer (protector dulcissimus) des Brescianer Volkes; erfürchtet nicht Pest, nicht Krieg, weder Mühe noch Gefahr oder Scha-den 76 .» Da man weiter von dem Vorfall nichts hört, hat man wohl kaumden Verfasser der Schmähverse ergriffen. Die verleumderische Satireerbitterte wohl die Bürger, aber Barbaro selber berührte sie nicht immindesten. Seine Autorität und sein Ruhm stiegen eher noch dadurch.Nach dem heißen Ringen des vergangenen Spätjahres war der Waffen-lärm um Brescia verstummt. Es brachen die langen Monate ängstlichenHarrens und Darbens an, für Barbaro eine Zeit schweren inneren Ringensund Überwindens. Als jetzt nach den übermenschlichen Anstrengungender Beschießung bei ihm doch eine Erschöpfung der Kräfte eintrat,meinte er hinreichend seine Pflicht getan zu haben. Er machte in Briefenan seine Freunde in der Regierung wiederholt den gesetzmäßigen An-spruchauf Ablösung geltend. Doch Monate hüllte sich Venedig in Schwei-gen. Barbaros Briefe werden immer erregter und vorwurfsvoller: es istdas einzige Mal in seinem Leben, daß er außer Fassung gerät und gegenseinen Staat die bittersten Anklagen schleudert; er fühlt sich in der Som-merhitze elend und krank und wünscht, sich in einer ruhigeren Um-gebung erholen zu können.
«Wieviel aber mein Wachen und Sorgen frommte, um Brescia zu haltenund die gemeinsame Freiheit zu schirmen, so schreibt er an Giustinianiund Donati, das weiß Gott , und uns fehlten auch nicht ehrenvollsteZeugnisse der Feinde. Obwohl mich aber das Bewußtsein freut,mein Amt bis heute gut verwaltet zu haben, und ich mich in der Er-innerung an die großen Verdienste um den Staat tröste, so trage ich esdoch schwer, und ich ergrimme, daß Neid und Undankbarkeit sovielvermögen, daß der Senat für so zahlreiche und so große Mühen und