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VIII ALTERSWEISHEIT
Jahrhunderten zusammen mit einer andern noch weniger glaubwürdigenErzählung über Barbaro vererbt und findet sich in den Enzyklopädienerwähnt 9 . Im XV. Jahrhundert berichtet sie schon Crinitus 10 , und anderewissen noch ausschmückende Einzelheiten dazuzusetzen. Bei dem feier-lichen Empfang habe Barbaro seine Begrüßungsrede mit solchen Wortenbegonnen: Magnum est nomen tuum, princeps maxime in universaterra..., aber weiter sei er nicht gekommen, da ihn sein Gedächtnisplötzlich im Stich ließ. Er wiederholte dieselben Worte noch einmal,aber auch diesmal sei er nicht weiter gekommen und wäre verwirrt ge-wesen. Nun habe der Herzog, ein kluger Mann wie er war, in ganzbescheidner Weise Barbaros Hand ergriffen und ohne Förmlichkeit an-gefangen, ihn über dies und das zu befragen, bis er ihn in seinem wan-kenden Gedächtnis wieder gefestigt habe. Solche Erzählungen, die eineZeitlang durch den Volksmund weitergetragen werden, bis sie jemandaufzeichnet, knüpfen sich mit Vorliebe an große Männer mit hervor-stechenden Eigenschaften, die sonst von allen gelobt werden, von denendann aber gerade ein Ereignis ihres Wandels hervorgehoben, wenn nichterdichtet wird, durch das gezeigt wird, wie sie in ihrer Stärke versagten.Es sei nur erinnert an entsprechende Geschichtchen von Karl und Fried-rich dem Großen. An der Verbreitung dieser Erzählung haben gewißneidische Humanisten Anteil gehabt. Sollte man aber dem ZwischenfallWahrheit beimessen, dann würde er auf so starke innere Abneigung Bar-baros gegen den Herzog deuten, daß ihn beim Anblick des früherenGegners trotz aller Selbstbeherrschung, die ein venezianischer Oratorbesaß, die gewohnte Beredsamkeit verließ. Es ist auch die Vermutungausgesprochen worden 11 , daß Barbaro durch sein Stocken nur erprobenwollte, ob der Herzog friedlich gestimmt sei.
Seit seiner Ankunft in Mailand wurden von Barbaro zahlreiche De-peschen (dispacci) nach Hause gesandt, die jedoch nicht erhalten sind.Wir wissen aber dem Inhalte nach, was er schrieb, weil die venezianischeSignorie vor ihren Antworten, die sie zu Akten nahm, kurz seine An-fragen zusammenfaßte. Barbaro hatte von einem Angebot des Herzogsnach Hause berichtet, ob die Signorie nicht den Kondottiere Piccininosamt seinen Truppen in Sold nehmen wollte. Dies war die ewige Ver-legenheit; im Frieden wußte man nicht, wohin mit diesen Heerführern,