DIPLOMATISCHE VERHANDLUNGEN BARBAROS IN MAILAND 263
Vorschläge Zeit zur Entscheidung nehmen müsse und daß der Verdacht,man sei mit ihm nicht einverstanden, grundlos sei. Die Glieder der Ligaschoben sich wechselweise die Kondottieren zu, die sie im Augenblicknicht verwenden konnten, diesmal ist es Nikolaus Piccinino. Sein GönnerHerzog Filippo Maria, dem seine Unterhaltung zuviel Geld kostete,versuchte ihn erst den Venezianern ganz zuzuschieben, was diese, wiewir sahen, dankend ablehnten. Dann machte der Herzog den Vorschlag,die Liga im ganzen solle Piccinino übernehmen, d. h. Venedig, Florenz und Mailand sollen sich zu dritt in die Kosten teilen. Auch dazu hatder venezianische Senat keine Lust; er bespricht sich zuerst mit denFlorentinern, wodurch soviel Zeit vergeht, daß der Herzog schon un-geduldig wird, und schließlich sind die Venezianer froh, den ganzenHandel dadurch ablehnen zu können, daß Barbaro dem Herzog hinter-bringt, König Alphons von Aragon und Neapel habe Piccinino bereitsin Sold genommen. Mit dieser Lösung ist aber der Herzog nicht zu-frieden, denn einerseits wollte er dem König von Neapel , der bald nach-dem er ihn freigelassen hatte, wieder zum Gegner geworden war, nichtseinen besten Feldherrn überlassen und andererseits schien ihm Picci-nino gegenüber Sforza wieder zu mächtig zu werden. So rief er ihnkurzerhand vom Heere ab. In Mailand empfing der Herzog den altenGeneral mit großen Ehren, und dabei sah auch Barbaro seinen zweitengroßen Feind von Angesicht. Er wollte schon heimreisen, aber dieSignorie schlägt ihm bei aller Anerkennung seiner hohen Verdiensteauch diesmal den Wunsch zur Rückkehr ab, denn sie ist gegen EndeJuli viel zu gespannt darauf, wie die Rückberufung Piccininos nach Mai-land auslaufen werde, und sie verlangt, daß Barbaro noch den Schlußder Tragödie zwischen dem Herzog und seinem Kondottiere beobach-ten solle, denn solche plötzlichen Rückberufungen der Generale hatten,wie wir es an Carmagnolas und Sforzas Einladung nach Venedig sahen,stets einen dramatischen Verlauf von großer politischer Tragweite.Die Signorie wünschte ausdrücklich, daß Barbaro seinem ehemaligenFeinde Piccinino «mit allen jenen menschlichen und wohlwollendenWorten, die seiner Klugheit anstünden», begegne 17 . Im Septemberunterbreitet der Herzog der venezianischen Signorie neue Pläne 18 , nachdenen Piccinino und Sforza Seite an Seite den landfremden König