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VIU ALTERSWEISHEIT
und durch vorgeschrittenes Alter und durch Sattheit etwa an Ruhm so zuverblühen und zu altern, daß er aus einem scharfen Kriegsmann gleichsamein Zauderer geworden ist; vornehmlich deshalb, weil er jetzt mehr dieUnberechenbarkeit menschlicher Zufälle fürchtet und verlernt hat, mittenim Getriebe gewaltigster Dinge zu hoffen.» Auf jeden Fall dürfe man ihnnicht unterschätzen. Barbaro spricht es nicht offen aus, aber er hat aus derNiederlage von Caravaggio ernstlich die Lehre gezogen, daß die Vene-zianer in offener Feldschlacht der genialen Kriegführung des Herzogsnicht gewachsen sind. Deshalb warnt er wie vor Caravaggio : Niemals denKampf annehmen, wenn der Gegner ihn anbietet! Das Draufgängertumziehe die schlimmsten Folgen nach sich. Erst wenn der Feind zum Kampfnicht mehr gewillt sei, dann solle man ihn angreifen, erst wenn er in Ver-pflegungsschwierigkeiten gerate, dann wäre es Zeit, loszuschlagen. Wie-derum handle es sich für den Herzog nicht um die paar elenden Burgen,die er einnehmen könne, sondern um die Entscheidung über den Besitzeines großen Teiles von Oberitalien . Kurz: Gentile müsse den Gegner aufjede Weise zermürben, ohne dabei Gold zu verschmähen, womit er Eisen,auf das sich Sforza verlasse, stumpf mache, zumal der Herzog sich in Mai-land nur eine Gewaltherrschaft aufgerichtet habe, die mit dem Erfolgstehe und falle. Barbaro hatte alles vollkommen richtig vorausgesehen.Herzog Sforza versammelte seine ganze Heeresmacht und hätte gar zugern durch ein zweites Caravaggio den Krieg schnell und siegreich been-det; so schickt er einen Herold nach Ritterart mit einem Handschuh, einerblutigen Lanze und dem Fehdeschreiben an den feindlichen Feldherrn.Gentile da Leonessa empfing ihn höflich und scheinbar zuvorkommendund setzte ihm Wein und Backwerk vor. Beim Abschied gab er dem Heroldfür den Herzog seinen eignen Handschuh mit, er solle melden, daßGentile am nächsten Tage die Herausforderung annehmen werde; abereingedenk der Warnung Barbaros läßt Gentile zur großen Entrüstungder Mailänder seine Truppen am nächsten Tage nicht aus den Ver-schanzungen heraus. Die Entscheidungsschlacht verlief in einem Wort-gefecht, bis dichter Nebel die Fechtenden trennte.» Als die Venezianerdann abzogen, errichtete Sforza im Grimm, daß ihm die sichere Beuteentgangen war, den Venezianern ■für ihre Feigheit auf dem Felde vonMontechiaro eine Schandsäule. Aber Gentile, der bald darauf durch