ERMORDUNG ERMOLAO DONATOS
Freundes getroffen hat, wissen wir nicht aus seinem eignen Munde 54 , dochfand Lodovico Foscarini, der Barbaro und Donato gleich nahestand, trau-ernde und am Leide Barbaros Anteil nehmende Worte. Als Foscarini vonder Bluttat hörte, brach er in Tränen aus, und obwohl sich die Humanistenund noch mehr die venezianischen Staatsmänner sonst bei Schicksals-schlägen eines stoischen Gleichmutes befleißigen, schämte er sich dieserRegung nicht; sofort an Barbaro zu schreiben, wagte er nicht, da erzu ergriffen war, um jenen zu trösten, dem der vertraute Genosse inStudien und öffentlichen Ämtern so jäh entrissen war. Barbaro undDonato, die während der langen Kriegsnöte ihr ganzes Leben in denDienst des Vaterlandes gestellt hätten, dürften wohl darauf Anspruch er-heben, ihren Lebensabend in einer blühenden Friedenszeit zu vollenden.«Anders wollten es die Götter. Schweigen will ich von dem gerechtenMärtyrer Ermolao, den ich mit meinen Worten doch nicht vom Todeauferwecken kann 55 .» Dann richtet Foscarini im Namen aller Venezianereinen Aufruf an den trauernden Freund. Jetzt nach Donatos Tod falleBarbaro die doppelte Last zu, er solle sich von seinem Schmerz los-reißen und fortan möge er nur noch stärker dem Staat in zweifelhaftenKämpfen die Leuchte seiner Weisheit leihen und vor Entschlüssen ihmdeudich zeigen, welche Handlungsweise möglich sei und sich für ihnzieme. Das verantwortungsvolle Bewußtsein, daß er in Zukunft als ein-ziger den Ermolao Donato ersetzen müsse, solle ihm Trost und Kraftspenden. Gott möge ihm dafür Leben und Gesundheit verdoppeln.Während die Persönlichkeit Ermolao Donatos nur noch in der Wirkungzu spüren ist, die sie auf die Freunde hervorbrachte, verhält es sich andersmit dem zweiten vielgenannten Gefährten Barbaros: Leonardo Giu-stiniani, neben ihm die bedeutsamste Gestalt des damaligen Venedig.Ihre gleichlaufenden ebenso wie ihre abweichenden Geschicke fordertenimmer wieder zum Vergleich heraus, so daß es hier nur noch der Zeich-nung der Umwelt Leonardos bedarf. Größten Einfluß übten auf dasLeben Leonardos seine beiden älteren Brüder Lorenzo und Marco, mitdenen Barbaro auch in Verbindung stand. Über den ältesten, den heili-gen Lorenzo Giustiniani , besitzen wir eine Biographie von der Handseines Neffen Bernardo. Sie wurde in die Acta Sanctorum aufgenom-men 56 , und es ist wichtig zu sehen, wie unter patrizisch-venezianischen