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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
294
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Vm ALTERSWEISHEIT

Gebärde edlen Heischens und Willfahrens bleiben beide dem Ge-dächtnis der Nachwelt erhalten.

Auch mit Ermolao Donato verband Barbaro schon eine Jahrzehntedauernde Freundschaft. Als sie beide noch jünger waren, schickteFrancesco 1425 Ermolao nach Verona zu Guarino, und da dieser überden Besuch junger Leute stets erfreut war, so schrieb er Barbaro einenbegeisterten Brief über die Ankunft des Ermolao, der mit dem Wunschekam, sich von Guarino Verona zeigen zu lassen, und bei seinem Weg-gang durch seine Bescheidenheit, Klugheit, Güte, Milde und Gerechtig-keitsliebe die bekannten Tugenden des jungen Venezianers Guarinoso sehr entflammte, daß er in ihm «den Stachel des Abschiedsschmerzeszurückließ 52 ». Wir erinnern uns einer ähnlichen Szene, die aber zwischenTraversari, Barbaro und dem jungen Angelo Acciaiuoli spielte. Guarinolobte die Sicherheit Francescos bei der Wahl seiner Freunde. In der Tatist Ermolao in seinen späteren Jahren einer der einflußreichsten Staats-männer seiner Vaterstadt geworden und hat bei Entscheidungen häufigden Ausschlag gegeben. Aber da von ihm selbst keine Briefe erhaltenblieben und die Barbaros an ihn ganz mit den politischen Ereignissen ver-woben sind, so gehört Ermolao Donato zu jenen in der Signorie und aufGesandtschaftsreisen höchst wirksamen venezianischen Gestalten, diesich nicht erfassen lassen, weil sie, wenn auch treibende Kraft, so dochnur Teile des Staatsganzen sind, aus dem sie nicht als Person hervor-treten. Er nahm ein dunkles Ende. Nach seiner Rückkehr aus der Ge-fangenschaft schrieb er an Barbaro noch ganz unter dem Eindruck derKatastrophe von Caravaggio einen düsteren, hoffnungslosen Brief, so daßihn dieser aufmuntern muß: «Obwohl ich niemals an deiner ehrenvollenRückkehr gezweifelt habe, so sage ich doch offen und im stillen Gott Dank, weil ich selber doch ohne dich nicht frei sein kann 53 .» Er lobt denFreund, daß er in der schlimmen Lage die Geistesgegenwart behaltenhabe, und jetzt sei kein Grund, ganz zu verzweifeln. Zwei Jahre späterwurde Ermolao Donato nachts in einer dunklen und winkligen GasseVenedigs ermordet. Es ist nie herausgekommen, wer der Täter war,doch beargwöhnte man Jacopo Foscari, den Dogensohn, dessen GegnerDonato war, und obwohl man ihm nichts nachweisen konnte, vertriebman Jacopo Foscari aus Venedig. Wie tief Barbaro dieses Ende des