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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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318
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VIII ALTERS WEISHEIT

Chrysoloras, der ins Abendland kam, um an den europäischen HöfenHilfe für Ostrom zu erbitten. Doch war die Gefahr noch einmalabgewandt, als 1402 die Macht der Türken vor den mongolischen HordenTimurs erlag. Der Sultan Bajazeth, der das ungarische Kreuzzugsheerunter König Sigismund sechs Jahre vorher vernichtend geschlagenhatte, geriet in die Gefangenschaft der Mongolen. Seither lag Kon-stantinopel lange Jahre abseits der großen Kämpfe zwischen Islam undChristenheit. Schon lange hatten die Türken Fuß gefaßt auf europäischemBoden. Von ihrer Hauptstadt Adrianopel wandten sie sich zunächst nachNorden. Das eigentliche Bollwerk der christlichen Staaten war daherUngarn , nicht mehr Byzanz. Mit wechselndem Kriegsglück strittdieses Volk unter seinem Nationalhelden Hunyadi an der serbischenGrenze wider die Türken. Die Beunruhigung über die Ereignisse wuchsbei den vorausschauenden Männern des Abendlandes von Jahr zu Jahr.In einem früher erwähnten Brief an den Kanzler Kaspar Schlick hatteBarbaro im letzten Lebensjahr Kaiser Sigismunds versucht, diesen nocheinmal zum Kreuzzug aufzurufen. Seither war das Kaisertum in dienoch schwächeren Hände des Habsburgers Friedrich III, übergegangen,so daß von dieser Seite für die Abwehr der allgemeinen Gefahr nichtmehr viel zu hoffen war. Deshalb richtete Barbaro sein Auge auf denPapst. Dieser hatte für die gemeinsame Sache schon vergebliche An-strengungen gemacht und einen seiner fähigsten Kardinäle, GiuüanoCesarini, der auf dem Basler Konzil eine hervorragende Rolle gespielthatte, als Legaten zum Kreuzzugsheer nach Ungarn gesandt. Aberdie Christen wurden 1444 bei Varna von den Türken vernichtend ge-schlagen, und der Kardinallegat selber kam auf der Flucht um. Cesariniwar ein Gönner der Humanisten und wurde von ihnen tief betrauert; daszeigt eine Gedächtnisrede für ihn aus der Feder Poggios. Mehr Erfolgschien Eugen IV. mit seinen Unionsbestrebungen auf dem Konzil zuFerrara-Florenz zu haben, denn die Wiedervereinigung der griechischenmit der römischen Kirche sollte die Vorbedingung sein für die Hilfe, dieder Westen für Ostrom leisten wollte. Der byzantinische Kaiser konntezwar die widerstrebenden Theologen seines Reiches, die aus Ferrara heimlich entweichen wollten, zwingen, dort zu bleiben, aber als diegriechischen Konzilteilnehmer nach Abschluß der Union wieder in der