DIE TÜRKENGEFAHR
319
Heimat waren, hetzten sie gegen Rom und verhinderten, daß diegriechische Kirche ihre Selbständigkeit aufgab, so daß der Kaiser nichtmehr gegen das fanatisierte Volk durchdringen konnte. Solche Feind-seligkeit der Massen gegen das Abendland hemmte unheilvoll die Hilfe-leistungen des Westens, denn nicht nur die Massen, sondern auch mancheder ersten Würdenträger dieses Reiches äußerten sich offen, sie wolltenlieber dem Türken als dem Papst gehorchen. So rannten die Oströmersehenden Auges in den Abgrund. Die Katastrophe wurde schließlichdurch ihre Anmaßung gegen Sultan Mehemmed II. heraufbeschworen.Dieser legte am Bosporus auf europäischer Seite ein Sperrfort an, umdie Zufuhr vom Schwarzen Meer abzudrosseln. Das bedrohte auch diewestlichen Handelsmächte, vor allem Genua und Venedig, die dadurchvon ihren blühenden Niederlassungen am Schwarzen Meer , insbesondereauf der Krim abgeschnitten wurden. Sie hätten gerne Konstantinopelgeholfen, aber zu gleicher Zeit wollten sie auch vermeiden, mit denTürken in Krieg zu geraten. Eines schloß das andere aus.Barbaro, für den die Handelsinteressen nicht an erster Stelle standen,sieht die gefahrvolle Zwiespältigkeit einer solchen Politik voraus underhebt seine Stimme dafür, daß jeder Eigennutz jetzt zurücktreten müsseund Ostrom für die Christenheit erhalten bleiben müsse. Zuerst wandteer sich an Scarampo 92 , der in den Papst dringen solle, damit durch dessenEinfluß die schwebenden Streitigkeiten zwischen den italienischenStaaten beigelegt würden. Dadurch sollten Kräfte zum gemeinsamenRettungswerk frei werden. Der Papst solle der drohenden Wirrnissteuern: «deshalb, weil ihn der Herr über sein Volk gesetzt hat, auf daßer Recht und Gerechtigkeit schaffe, daß er ausrode und zerstöre, daß erbaue und pflanze, und so lerne er in Wahrung seiner Majestät nach Sitte,Brauch und Beispiel der Vorfahren zu regieren». Barbaro will aber nichtdazu raten, daß der Heilige Vater gegen die Söhne der Kirche zu Feldeziehe, es genüge schon, wenn die Ruhestörer durch eine Kriegsdrohunggeschreckt würden. Scarampo hat die ihm von Barbaro angesonnene Rollean der Kurie nach besten Kräften durchgeführt. Er vor allem war es,der den zu Ruhe und Gemächlichkeit neigenden Papst immer wiederzur Tat anspornte. Zunächst, als die Kurie selber bedroht war, durchdie Verschwörung des Stefano Porcari , der nach dem Vorbilde des Cola