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VIII ALTERSWEISHEIT
di Rienzo noch einmal vergeblich versuchte, der Stadt Rom ihre alterepublikanische Freiheit zurück2uerobern. Nach Aufdeckung der Ver-schwörung — man hatte bereits eine goldne Kette zurechtgelegt, umdamit den Papst gefesselt wegzuführen — bewegte Scarampo den nochzögernden Nikolaus V. , endlich Strenge walten und den Schuldigenhinrichten zu lassen. Die Händel der italienischen Staaten wurden jedocherst, als es zu spät war, beigelegt, denn diesem von Barbaro ersehntenZiel standen die Interessen des Papstes als italienischem Landesfürstenentgegen. Behauptet doch Gianotto Manetti in einer Lobrede auf Niko-laus, daß dieser 1453 selber den Frieden verhindert habe: «denn seineKlugheit sagte ihm, daß Kriege unter den Fürsten Italiens die Wohlfahrtder Kirche förderten, daß dagegen die Eintracht der Fürsten der Ruheder Kirche gefährlich sei». So vielfältig verschlungen war die Politikdamals, daß selbst das Beste wollende Männer wie Nikolaus V. durchdie Umstände zu krummen Wegen gezwungen wurden, die sie dieAbwehr der Hauptgefahr für das Abendland versäumen ließen. Einerwartet immer auf den andern. Venedig wollte mit seiner Flotte zur HilfeKonstantinopels nicht ausfahren, ehe nicht die päpstlichen Galeeren zurStelle seien. Als endlich im April 145 3 die vereinigte Flotte in See stach,war es zu spät. Bevor die Hilfsflotte, die noch dazu die Weisung hatte,nur die Griechen zu unterstützen und den Türken gegenüber, mit denenman in Frieden lebte, sich nicht feindlich zu zeigen, an den Dardanelleneintraf, war im Mai die Stadt gefallen. Beim letzten Sturm verrichteteneinige abendländische Hilfskräfte, die schon rechtzeitig eingetroffenwaren, an der Seite des tapferen Kaisers Konstantin Paleologos Wunder-taten der Tapferkeit, die selbst dem Sultan Achtung einflößten; aber dieVerteidiger erlagen bald der Übermacht. Das griechische Volk benahmsich feig. Es war tief in Aberglauben verstrickt und wartete auf die Er-füllung einer Weissagung, daß die Erzengel die durch die Tore dringen-den Ungläubigen zurückschlagen würden. Statt dessen zogen die Türkenein und zerrten die Feigen aus den Kirchen heraus, und was sie nichtabschlachteten, schleppten sie in die Sklaverei.
Diese Greuel hatte Barbaro kommen sehen: sie bedrückten ihn tief. Ver-geblich hatte er noch einmal gehofft, daß Kaiser und Papst sich zu-sammenschließen würden, aber als Friedrich III. nach Rom kommt,