DER FALL KONSTANTINOPELS
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kann Barbaro sich nicht des Gedankens erwehren, daß dieser Zugnur wegen des «aurum coronarium» des Krönungsgeldes erfolgt sei,das der Kaiser in Italien einsammle, um zu Hause besser regieren zu kön-nen. Friedrich III. versuchte wenigstens auf seiner Durchreise zwischenVenedig und Mailand zu vermitteln, aber alle diese Schritte bliebenhalbe Maßnahmen, bis die Katastrophe im Osten ihre Schrecknisseverbreitete und das Abendland zur Einkehr und zur Besinnung zwang.Barbaro fürchtet mit Recht, daß die Türken nach der Einnahme derSchlüsselstellung am Bosporus zwischen Orient und Okzident nichtstehen bleiben würden. Vielleicht würden die Türken, wenn sie hörten,daß alle westlichen Staaten gegen sie in Waffen stünden, von der Be-lagerung ablassen. Alle Befürchtungen wurden durch den unglücklichenAusgang übertroffen. Barbaro empfindet es als eine persönliche Schande,daß zur Zeit seines Lebens die Christenheit diesen Verlust erlitten hat. Aberwie schon in der Gefahr der eignen Vaterstadt nach der Niederlage vonCaravaggio , wird auch hier durch das schwerste Unglück die TatkraftBarbaros nicht gelähmt, sondern er rafft sich jetzt um so mutiger auf, umin der Stunde der Not ganz Europas zu helfen: «ut magna pars Europaemetu barbarorum et Servitute liberetur 93 », also schnell und weise undtapfer muß vorgesorgt werden, daß dieses verderblichste Übel nichtweiterkrieche und die römische Kirche und die gesamte Christenheit inäußerste Gefahr bringe. Endlich solle jetzt der Papst den Frieden inItalien wiederherstellen; unterdes dürfe keine Zeit verloren werden. Esgelte, den Krieg gegen die Türken vorzubereiten. Der Papst solle Geld-mittel flüssig machen und durch sein Vorbild die christlichen Länder zuSpenden für die gemeinsame Sache ermuntern. Barbaro rät dem Papst,überallhin Legaten zu senden und alle durch sie zur Beteiligung amKriege aufzurufen, um den großen Brand, der alle angehe, zu löschen.«Doch lobe ich es, daß nicht allein mit großen Massen der Krieg geführtwird, sondern mit Besinnung und Tatkraft, denn wir sind (das letztemal)durch eine ungeheure Niederlage Gefahr gelaufen (1396 bei Nikopolis und1444 bei Varna), daß die Kampfwut der Franzosen und Deutschen gegendie Türken mehr Drohung als Kraft war. Ich mahne deshalb: wer nichtmit Waffen helfen kann, der helfe mit Geld, damit zu Lande und zuWasser nicht nur tapfer, sondern auch glücklich gekämpft werde. Zum21