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Ratgeber des allerseits verehrten Kardinals Niccolö Albergati, in dessenfamilia spiritualis er an erster Stelle stand. Dem Verstorbenen zu Ehren,der fest gehofft hatte, daß Parentucelli den Stuhl Petri besteigen würde,nahm dieser als Papst den Namen Nikolaus an. Die Verehrung, dieer seinem einstigen Meister Albergati zollte, schien Barbaro die besteGewähr für ein dem Frieden zugewandtes glückhaftes Pontifikat. In derTat gelang Nikolaus bald nach seinem Regierungsantritt das, was derHalsstarrigkeit seines Vorgängers nicht glücken wollte: die endgültigeBeilegung des Schismas innerhalb der römischen Kirche. Das Wesen desFriedensfürsten, das Barbaro dem Papst empfiehlt, läge darin, daß dieserden Menschen mehr durch Beispiel als durch Geheiß nütze. «Du weißt,was für einen Stellvertreter Christi du immer gewünscht hast, und duwirst uns nichts anderes von dir sehen lassen als das, was man voneinem andern verlangen mußte. Du weißt, wie du befehlen sollst, derdu früher, als du gehorchen mußtest, über die allerheiligsten Päpste undchristlichen Könige richtig geurteilt hast. Es wird aber gut um uns be-stellt sein, wenn du dich entschließt, alles aus deiner Weisheit herauszu lenken und zu zügeln, wenn du viel mit dir selbst sprichst, dich hörst,dir gehorchst, wenn du mit dir selber zu Rate gehst, wenn du niemandemGlauben schenkst, der eher mit deiner Glückseligkeit als mit dir redet.Deshalb, Heiliger Vater, mahne ich dich, das Glück möge nichts indeinem Innern verändern und niemals mögest du vergessen, daß duschon eher des römischen Volkes Vater gewesen bist, als du es (als Papst)wurdest und daß dir von Gott das weiteste Reich übertragen wurde,damit du es wahrest und an Tugend mehrest, nicht an Schätzen undWaffen; also das tust, was du als Privatmann nicht hättest vollbringenkönnen.»
Durch seine Anteilnahme an der kurialen Politik erweitert sich BarbarosBlickfeld über Italien hinaus, und er fühlte sich gedrungen, für die Ge-schicke der ganzen Christenheit zu denken und zu sorgen. Mehr als derItaliener des Binnenlandes war der Venezianer gewöhnt, nach dem Ostenzu sehen und die Wandlungen, die sich im Orient vorbereiteten, zu be-obachten. Während seines ganzen Lebens hörte das Wetterleuchten amöstlichen Himmel Europas nicht auf. In seiner Jugend wurde Konstan-tinopel schon einmal von den Türken berannt 91 . Francesco sah Manuel