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VIII ALTERSWEISHEIT
Christenheit (rempublicam christianam) eine göttliche Wohltat erweisenund ewigen Ruhm erlangen, sobald sie die privaten Streitigkeiten beiseitelassen und ans gemeinsame Heil und die Würde denken.» Die Jahr-hunderte dauernde, vielbeklagte und heißumstrittene Zwiespältigkeitder päpstlichen Politik rührte von den gegensätzlichen Zielen her, die-der Papst als Fürst eines italienischen Staates und als geistliches Hauptder Christenheit verfolgen mußte. Diese Zwangslage brachte die ansich entgegengesetztesten Charaktere der Männer, die den Stuhl Petri bestiegen und die ganz verschiedene Neigungen hatten, immer vordieselben hemmenden Schwierigkeiten. Bei dem Eigensinn Eugens IV.verzichtete Barbaro auf nähere persönliche Fühlungnahme. Trotz vielerGemeinsamkeiten mit diesem Kirchenfürsten (z. B. Haß und Abneigunggegen den Mailänder Tyrannen Visconti), die wohl von der gemein-samen venezianischen Abkunft herrührten, war Barbaro doch zu sehrHumanist, um nicht 1447 beim Tode Eugens aufzuatmen, als aus demKonklave ein Altersgenosse, der ihm durch gleiche humanistische Ge-sinnung verbunden war, hervorging: der erste Renaissancepapst, Niko-laus V. Gerne hätte Barbaro die venezianische Huldigungsbotschaft nachRom geführt, aber die Staatsgrundsätze seiner Vaterstadt verboten das,weil Ermolao jetzt Bischof von Treviso war, ein Verwandter eines kirch-lichen Würdenträgers jedoch keine Gesandtschaft nach Rom übernehmendurfte. Die in frühere Zeit fallenden römischen diplomatischen AufträgeFrancescos waren daher nur solange möglich, als Ermolao noch keinekirchliche Würde bekleidete. Da Francesco also in Person nach Rom nicht reisen konnte, gab er wenigstens dem venezianischen Gesandtenseinen Sohn Zacharias als Begleiter, damit dieser dem Papste seine Hul-digungsgrüße überbringe 89 .
Nach dem vergangenen stürmischen und kriegerischen Pontifikat setzteBarbaro seine Hoffnung in Nikolaus, daß dieser «ohne Waffen Israelin die alte Würde einsetzen wolle». Barbaro schrieb einen Brief an denneuen Papst, der mehr ein Mahn- als ein Huldigungsschreiben ist 90 .Der gewichtige Ton als Ratgeber zeigt, welches Ansehen Barbaro ander Kurie genoß. Er glaubt, nun sei das Zeitalter angebrochen, das Platoherbeigesehnt habe, in dem die Weisen Herrscher seien und die HerrscherWeise. Nikolaus war als Tommaso Parentucelli der vertraute Freund und