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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
315
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EUGEN IV.

den Schritt Ermolaos noch die gegenwärtige Politik der Kurie irgendwiebilligen könne. Diese Mißhelligkeiten waren aber nicht von langer Dauer,denn Ermolao erhielt schließlich nach langem Warten das BistumTreviso.Eugen IV. war nach allem, was wir von ihm schon hörten, ein eigen-williger Kirchenfürst, mit dem schwer auszukommen war. In seinerKardinalszeit war Barbaro noch enger mit ihm verbunden, wie aus einerReihe bisher noch unbekannter Briefe hervorgeht 87 , als später. Der da-malige Kardinal Gabriel Condulmieri war sein Vertrauensmann an derKurie, an den er wie später an Scarampo seine Wünsche für die Kirchen-pflege der von ihm verwalteten Städte sowie die Empfehlungen fürSchützlinge richtete. Das Urteil des Pius II. über seinen dritten Vor-gänger Eugen iv. : er sei hochherzig gewesen, aber mit dem schlimmenFehler, daß er kein Maß kannte und sich in seinen Handlungen nichtdurch seine Kraft, sondern durch sein Wollen bestimmen Heß, machtverständlich, daß sich Barbaro während des Pontifikates seines veneziani-schen Standesgenossen größere Zurückhaltung als früher auferlegte, denner sah, wie durch die plötzlichen Entschlüsse dieses Papstes, der in zähemKampfe sich gegen das Konzil zu Basel wehrte, für die Kirche mehr alseinmal größte Gefahren heraufbeschworen wurden. Barbaro, der immerzur Versöhnlichkeit neigte, begrüßte es, daß der Papst das Konzil an-erkannte. Freilich dauerte die Versöhnung Eugens mit den in Basel versammelten Konzilvätern nicht lange, aber wir erfahren bei dieser Ge-legenheit, wie Barbaro in der die ganze damalige Christenheit bewegendenFrage stand. «Ich wünsche dir und allen Guten Glück, schrieb er an Pierodel Monte, daß die Kirche nach dem Anschluß des Papstes jetzt vonFurcht und Gefahr des Schismas befreit ist. Es hätte nichts Heilsameresgeschehen können, als daß das Schiff lein Petri, das in so vielen Stürmenfast schon unterzugehen schien, am Gestade des Konzils wie mit einemAnkerseile festgebunden wird. Dies bringt nicht nur der Gegenwartreichsten Nutzen, sondern es wird auch vorbildlich sein. Es bleibt alsonoch übrig, daß die, welche auf dem Deck des Schiffes sitzen und dasSteuer in der Hand halten, so ruhig fahren, daß sie nach geänderterSegelsetzung die Strudel meiden und sich in den Schoß des sicherstenHafens zurückziehen 88 .» Als wichtigsten Grundsatz für die kurialePolitik nennt Barbaro: «Wenn das geschehen ist, so werden sie der