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dienstliche Stellung lässt es ihm wünschenswert erschei-nen, dass das Outachten ohne Bekanntgabe seines Namensveröffentlicht wef'de. Für seinen Inhalt steht der Ver-fasser aber erforderlichenfalls mit seiner Person ein.Lediglich das Gefühl, dass Erzberger schweres Unrechtzugefügt sei, veranlasste ihn, nach gründlichstem Studiumder Akten das Gutachten zu verfassen und in seine Ver-öffentlichung zu willigen. Als reine und obendreinanonyme Privatarbeit kann und will es gegenüber demGerichtsurteil Anspruch auf irgendwelche Autorität nichterheben. Aber gerade dadurch erscheint es mir für denerstrebten Zweck doppelt wertvoll zu sein. Gegenüberder nüchternen Art der Darstellung tritt die Person desVerfassers vollkommen in den Hintergrund. Für denLeser ist es völlig gleichgültig, ob dieses Gutachten voneinem hohen Richter, einem juristisch geschulten Staats-beamten, oder selbst von einem gebildeten Laien ge-schrieben ist. Das eine springt jedem Leser sofort insAuge, dass hier ein Mann von freiem weltmännischemBlicke spricht, ein Mann, der ausgerüstet mit gründlich-ster Sach- und Rechtskunde, wurzelnd auf dem Bodenfeststehender Tatsachen unparteiisch und unvoreingenom-men nur von dem einen heissen Bestreben geleitet wurde,die Wahrheit, zu suchen und dem Rechte zu dienen. DieArt der Darstellung verlangt nicht, dass der Leser blindden Ausführungen des Gutachtens folgt; er kann vielmehran Hand der aktenmässig mitgeteilten Tatsachen durchausselbständig prüfen, ob das Gericht oder der Gutachterdie treffenden Schlüsse aus den aktenmässig mitgeteiltenTatsachen gezogen hat. Dabei wird gewiss mancher zuder Ueberzeugung gelangen, dass der Gutachter in seinemBemühen nach Wahrung vollster Objektivität zuweilendas Urteil allzumilde und das Verhalten Erzbergers zuhart beurteilt hat. Eines aber dürfte für jeden, der unvor-eingenommen das Gutachten und seine Begründung ge-lesen hat, zweifelsfrei feststehen:
Nachdem der Vorwurf der Unwahrhaftigkeit durchden Beschluss des Landgerichts erschüttert wurde undder Vorwurf der Steuerhinterziehung durch die jetzt