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Der Prozeß Erzberger-Helfferich : ein Rechtsgutachten / mit einem Begleitwort von Siegfried Löwenstein
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vom Bundesrat genehmigt. Am gleichen Tage erschien Erz-berger (nach seiner Angabe, weil zwei sozialdemokratischeAbgeordnete ihn darauf aufmerksam gemacht hätten, daß ihreFraktion >den Borlagen nicht zustimmen könne und eventuellin Opposition treten müsse) wiederum bei von Bethmann undwies erneut auf die schwerwiegenden Besorgnisse hin, die sichfür den Burgfrieden aus dem zu starken Anteil der indirektengegenüber >den direkten Steuern in den Entwürfen ergäben.Der Kanzler teilte mit, !dasz die Einbringung der Borlagenvom Bundesrat fest beschlossen sei, gab zu, daß die Ansichtenüber die Wirkung auf den Burgfrieden auseinandergehenkönnten, hob aber, wie er mit voller Bestimmtheit als Zeugebekundet, hervor, daß es umsomehr jetzt Pflicht sei, imReichstage «lies zu vermeiden, was 'den Burgfrieden gefähr-den könnte. Als Erzberger trotzdem sich weiter mit Nachdrucküber seine Bedenken ausließ, ging von Bethmann unvermit-telt auf ein anderes Thema über.

Erzberger hat dann, wie der Zeuge Spähn bekundet, beieiner Besprechung der dem Zentrum angehörenden Mit-glieder der Budgetkommission (nach Angabe Erzbergers willes sich um eine Fraktionssitzung gehandelt haben), in derüber die Frage der Notwendigkeit der neuen Steuern ge-sprochen wurde, zunächst die Meinung geäußert, daß dieZinsen der Kriegsanleihe zweckmäßiger durch neue Anleihenals durch Steuern aufzubringen seien, und Äann mitgeteilt,daß ihm der Kanzler bei einer Besprechung (den Ausdruck»Konferenz" gebrauchte er nicht) erklärt habe, daß er auf dieDurchdringung der Steuern keinen Wert legt. Argend eineAeußerung über den Burgfrieden tat Erzberger hierbei nicht)daß der Zeuge Giesberts, der gleichfalls zu den Kommissions-Mitgliedern gehörte, sich dieser Aeußerung nicht entsinnt,spricht, da er nicht angeben kann, ob er bei der fraglichenBesprechung anwesend war, nicht gegen das völlig einwand-freie Zeugnis Spahns. Der Fraktionsvorfitzende Spähnsuchte darauf Helfferich auf, erzählte ihm ohne Nennung desNamens des Abgeordneten, -den Helfferich aber erriet, vonjener Mitteilung- und fragte ihn, ob der Kanzler hinter ihmsiehe. Helfferich bejahte dies und bestätigte es ihm am Tagedarauf nochmals, nachdem er mit von Bethmann über den