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Stellung dieser Partei zu den indirekten Steuern mit Sicher-heit anzunehmen. Erzberger hat vor der Einbringung dieserVorlagen den Reichskanzler wiederholt ausgesucht, Einwändeund Bedenken gegen die Steuern, und zwar gerade wegendes Ueberwiegens der indirekten Steuern, ge.ltend gemachtund hervorgehoben, daß die Vorlage geeignet sei, öen Burg-frieden zu gefährden. Der Reichskanzler hatte sich diesen Be-denken gegenüber nicht ablehnend verhalten, sondern zuge-sagt ,sie mit Helfferich zu besprechen. Er hat sie auch mitHelfferich besprochen, und er hat noch hei der letzten Bespre-chung mit Erzberger am 17. Januar 1917, als er Erzbergerdie Genehmigung der Borlegen im Bundesrat mitteilte, zu-gegeben, dasz die Ansichten über die Wirkung der Steuern aufden Burgfrieden auseinander gehen könnten, auch beigefügt,es müsse alles vermieden werden, was den Burgfrieden ge-fährden könne. Bei dieser Haltung des Reichskanzlers undbei seiner grundsätzlichen Stellungnähme zu den Fragen derinneren Politik, die einen Verzicht auf die Mitarbeit der So-zialdemokratie während des Krieges unker keinen Umständenzuließ, erscheint es nicht Kloß als unwiderlegt, sondern alsglaubwürdig, daß Erzberger durch die Besprechung mit demReichskanzler den Eindruck bekommen hat und davon über-zeugt war, der Reichskanzler werde auf die Steuern, wem?-skens auf die indirekten, verzichten, wenn durch sie der Burg-friede gefährdet würde. Auch der Reichskanzler hat ausge-sagt, er habe zwar nicht die Zurückziehung der Steuervor-lagen, aber eine nochmalige Besprechung mit Helfferich inAussicht gestellt; daraus habe vielleicht Erzberger den Schlußgezogen, daß der Reichskanzler die Wnze Vorlage zurück-ziehen werde/) Wenn Erzberger diese Auffassung gehabt hat,so durste er unbedenklich seinen Fraktionskollegen sagen, der
*) So das Stenogramm übvr die Prozeßverhandlunq,