Der Reichstag war zum Zuli 1917 einberufen worden, dasich eine neue Kreditbewilligung nötig erwies. Vor Beginnjeder Tagung! fanden Rücksprachen des Kanzlers mit denVorsitzenden der einzelnen Fraktionen in gesonderten Bespre-chungen statt und so bat auch diesmal Helfferich als damali-ger Vertreter des Reichskanzlers die Vorsitzenden der Zen-trumsfraktion zum 3V. Juni zu sich. Bei dieser Unterredung,an der die Abgeordneten Spähn, Erzberger und Herold undauch der Unterstaalssekretär Lewalö teilnahmen, wurden be-sondere Wünsche des Zentrums nicht vorgebracht? am Endeder Besprechung kam Erzberger jedoch noch auf die Frage desU-Bootkrieges zu sprechen, machte an Hand ihm vorliegen-den Materials lebhafte Bedenken gegen die Einschätzung,seiner Wirkung durch die amtlichen Stellen geltend und be-legte diese mit umfangreichem Zahlenmaterial. Auf die FrageHelfferichs, ob er etwa diesen Punkt auch in der Haushalt-kommission zur Sprache bringen wolle, erwiderte er dannaber, wie die Zeugen Lewald und Spähn in Uebereinstim-mung mit den Angaben Helfferichs bekunden, daß er darannicht denke, sondern ihn nur hier vorbringe. Erzberger be-hauptet, daß er zugleich gesagt habe, er habe das Materialauch dem Admiralstab eingereicht und von dessen Antwortwerde es abhängen, welche weiteren Schritte er unternehmenwerde. Es handelt sich um eine Behauptung Erzbergers, andie sich die Zeugen Spähn und Lewald nicht erinnern kön-nen. Am 3. Zuli 1917 kam Erzberger dann, nachdem er vomAdmiralstab inzwischen eine unbefriedigende Antwort erhäl-ten hatte ,im Haushaltausschuß auf den U-Bootkrieg zu spre-chen und zog auch hier die Berechnungen der Marinebehördenüber dessen Wirkung in Zweifel. Er kam hierauf in einerRede vom 6. Juli in diesem Ausschuß ausführlich zurück,legte dar, daß eine Weiterführung des Krieges bei den im-mer weiter wachsenden Lasten und Schwierigkeiten zum Ruinführen könne, erklärte es für notwendig, auf den Ausgangs-punkt des Krieges zurückzugehen, da nur von dem Stand-punkt des Verteidigungskrieges aus eine Einigung des deut-scheu Volkes zu erreichen sei, und kam zu dem Schluß:„Wenn im Reichstag sich eine riesige Majorität oder viel-leicht alle Abgeordneten in dem Gedanken des 4^ August
Druckschrift
Der Prozeß Erzberger-Helfferich : ein Rechtsgutachten / mit einem Begleitwort von Siegfried Löwenstein
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