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Der Prozeß Erzberger-Helfferich : ein Rechtsgutachten / mit einem Begleitwort von Siegfried Löwenstein
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verständigt. Nach der Bekundung des Reichskanzlers habeErzberger die Absicht, eine Kundgebung' herbeizuführen odereine Aktion zugunsten des Friedens oder gegen die Alldeut-schen einzuleiten, vor jener Tagung in keiner Weise mit ihmbesprochen. DaS Urteil stellt weiterhin fest, daß die Regie-'rung denn auch tatsächlich auf das Vorgehen Erzbergers nichtgefaßt gewesen sei, daß der Reichskanzler zu Erzberger nachder Rede vom L. Juli gesagt habe, er überfalle ihn wie Ziethenaus dem Busch.

Demgegenüber hat Erzberger behauptet, daß er mit derRegierung über eine bevorstehende Aktion gesprochen habeund zwar mit dem Reichskanzler, dem .damaligen Staats-sekretär des Kolonialamts Dr. Solf und dem im AuswärtigenAmt beschäftigten Gesandten von Bergen, und daß er des-halb auch dem Borhalt des Reichskanzlers wegen des Ueber-fallens mit der Aktion mit dem Hinweis darauf begegnet sei,daß sie beide ja über die Notwendigkeit, an dem Berteidi-nungscharakter des Krieges festzuhalten und in der Verur-teilung Her überschwäna.lichen Hoffnungen, auf den U-Boot-Krieg einig seien. Das Urteil stellt letzteres als zutreffend festund führt im übrigen bezüglich der Behauptungen Erzbergersin katsächlicher Hinsicht folgendes aus: Erzberger fei bis zumJuni 1917 häufig, einmal und mehr in der Woche, bei demReichskanzler gewesen und habe mit ihm Unterhaltungenüber den U-Bootkrieg, über die Stimmung! der am meistenrechts stehenöen Kreise und über die Notwendigkeit gehabt,die allzu hoch gespannten Hoffnungen herabzustimmen! abergerade vor dem Beginn jener Zulitagung. habe er den Reichs-kanzler nicht besucht. Bei einem solchen Gespräch mit demReichskanzler habe Erzberger, wie der Reichskanzler alsmöglich zugebe, geäußert:Der Abgeordnete Roesicke habefrüher gefragt, wie der Krieg ohne verschärften U-Bootkriegbeendet werden solle, er Erzberger werde jetzt fragen,wie der Krieg nun nach dem Fiasko mit dem U-Bookkriegbeendigt werden solle, und das werde einen scharfen Kampfgegen die Alldeutschen geben." Das Urteil stellt weiter eineBesprechung Erzbergers mit dem Statssekretär Dr. Solf fest,die etwa Mitte Zuni 1917 über die allgemeine politische Lagestattgefunöen hat, und bei der Erzberger eine bevorstehende