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Aktion angedeutet habe, indem er seine Meinung über dieungenügende Wirkung des U-Bootkrieges dargelegt, Probenseines Materials hierüber vorgelegt und die Notwendigkeiteiner völligen Abkehr von der Gewaltpolitik und der Rück-kehr zum Standpunkt des 4. August 1S14 betont, auch eineDemarche 'gegen die Regierung angekündigt habe. Solf habeaus dieser Unterredung entnommen, daß Erzberger einenVorstoß wegen der U-Bootfrage plane und im Hauptausschußsein Material dem Staatssekretär Capelle vorhalten, die Re-gierung wohl auch auf eine mehr friedenögeneigte Politikfestlegen wolle. Er habe aber nicht gerade auf die Anregungder Friedensresolukion gerechnet und die ganze Unterredungals ein Privakgespräch aufgefaßt, deshalb auch von ihrem In-halt weöer dem Reichskanzler noch dem UnterstaatssekretärWahnschaffe Mitteilung gemacht.
Die weitere Behauptung Erzbergers, er habe auch denGesandten von Bergen von dem Bevorstehen einer Aktiondurch die Mitteilung seiner Auffassung von den Wirkungendes U-Bootkrieges und durch die Erklärung verständigt, daßKlarheit über die Führung der Politik geschaffen werden undeine feste Mehrheit hinter den Reichskanzler treten müsse,hält das Urteil nicht für erwiesen. Eine Bernehmung desGesandten von Bergen hat nicht stattgefunden.
Urteilsgründe: Die Regierung wurde wohl, wie auch vonBethmann bekundet, von Erzberger über die politische Lage,nicht aber über seine Absichten informiert, und es lagen nichteinmal Aeußerungen Erzbergers vor, deren etwa mihver-ständlicher Inhalt bei Berücksichtigung der politischen Situa-tion auf den Plan einer Aktion gedeutet werden konnte. DasBorgehen vom 6. Juli mag sich für Erzberger aus der Ent-Wicklung der Dinge von selbst ergeben haben. Für die Re-gierung war es völlig überraschend! denn selbst die unmittel-bar, vorhergehenden Ereignisse gaben der Regierung nochkeinen Anhalt für die Annahme einer geplanten Aktion.Nach der ersten Rede Erzbergers vom 3. Juli unv den darananschließenden Ausführungen mehrerer sozialdemokratischerRedner war zwar eine erregte Stimmung im Ausschuß ent-standen, die sich aber am 3. Z.u.li wieder zu legen begann. Da-her war der Kanzler von dem Inhalt und dem Ton der Rede