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Resolution die Beseitigung von Bethmanns beabsichtigt habe,vielmehr hatte Giesberts den Eindruck, dafz Erzberger demKanzler viel zu sehr die Stange hielt, auch hat Erzberger ihmbei einer Rücksprache vor ber Rede vom 6. Zuli auf eineFrage, ob von Bethmann mitmache, erwidert, er hoffe, erwerde mitmachen! Reichstagsabgeordneter David erachteteden Borschlag der Resolution nicht als den einer Kampfreso-lution gegen von Bethmann, sondern als ein Mittel zur Ver-ständigung und hielt ihn zum Sturze des Kanzlers garnicht fürgeeignet. Auch von Bethmann selbst betrachtete die Reso-lution, wie er angibt, an sich durchaus als in >der Richtungseiner Politik liegend und erklärte dies auch der Kommissionam 7. Zuli und bedauerte nur, dafz sie in einer gewissen panik-artigen Stimmung angeregt worden war, die die ErklärungenErzbergers und der sozialdemokratischen Redner hervorgeru-fen hatten.
Erzberger selbst bekundet als Zeuge, dafz er bei seinemBorschlage keinen Zweifel gelassen habe, dafz er den Kanzlermit allen Mitteln unterstützen solle! seine Ansicht habe sicherst am 7. Zuli geändert und zwar aus folgendem Anlasse: DieOberste Heeresleitung sei an diesem Tage nach Berlin ge>kommen und es sei auf mehrfache Anregung aus Abgeord-netenkreisen hin versprochen worden, baß am folgenden Tageeine Anzahl von Abgeordneten mit den Heerführern versön-liche Unterredungen haben sollten und hierzu mit General-stabsoffizieren bereits Ort und Stunde vereinbart gewesen!er sei dann zum Abend des 7. Juli gebeten worden, mit Lu-. dendorff zu speisen! als er sich hierzu in dem vereinbartenLokal eingefunden habe, habe er dort ben AbgeordnetenStresemann und den zur Obersien Heeresleitung gehörendenOberst Bauer angetroffen, diese hätten ihm erklärt, die Aus-sprache könne nicht stattfinden, denn bie Heerführer seien be-reits abgereist oder reisten ab, und hätten auf seine Fragenach dem Grunde hinzugefügt, der Kanzler habe dem KaiserBortrag dahin gehalten, dafz es sich bei den Borgängen imHaushaltsausschuß nur um einen Sturm im Wasserglas ge-handelt habe, der schon beinahe beigelegt sei und daß die An-Wesenheit der Generale nur störe, die daher abreisen müßten,'hierüber sei er, Erzberger, sehr erregt geworden und habe er-