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Der Prozeß Erzberger-Helfferich : ein Rechtsgutachten / mit einem Begleitwort von Siegfried Löwenstein
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klärt, wenn der Kanzler das getan habe, dann könne er ihnnicht weiter stützen, dann sei er ein Hindernis für den Friedenund müsse fort.

Demgegenüber bekundet der Zeuge Stresemann , daß Erz-berger ihm bereits am Morgen des 7. Zuli ausdrücklich erklärthabe, daß er mit seinem Vorstoß den Sturz von Bethmannsbezweckt habe, er habe Erzberger nach seiner Rede im Haupt-ausschuß noch am 6. Juli im Sitzungssaal gefragt, ob er denVorschlag im Einverständnis mit dem Kanzler oder im Ge-gensatz zu ihm gemacht habe; Erzberger häbe ihm erwidert,er könne ihm hier nicht antworten, Stresemann möge amnächsten Morgen zu ihm kommen, wo auch Oberst Bauer an-wesend sein werde, und ihn nochmals fragen; als er dann amfolgenden Morgen bei Erzberger erschienen sei und ihn hierin Gegenwart Bauers gefragt häbe, ob er von Bethmannhabe stützen oder stürzen wollen, habe dieser erwidert, er wolleihn beseitigen, dies könne Stresemann auch daraus ersehen,daß von Bethmann ihn am Tage vorher empfangen und ihmerklärt habe, er habe ihn wie Ziethen aus dem Busch über-fallen und daß Wahnschaffe ihn nicht mehr grüße. Es habendann nach Stresemanns Angaben, da er hieraus ersah, daßauch Erzberger einen Kanzlerwechsel wünschte, den er undBauer gleichfalls erstrebten, noch mehrere Zusammenkünfte eine solche auch bereits am Abend des 7. Juli zwischenihm, Erzberger und Oberst Bauer stattgefunden, bei denenüber den Sturz des Kanzlers verhandelt wurde und bei dereneiner Erzberger erklärte, der Kanzler werde bis zum Anfangder nächsten Woche beseitigt sein, und auf Stresemanns Zwei-fel hinzufügte, das sei doch zu erzwingen, man dürfe ihn nichtzu Worte kommen lassen. Bon einer Aeußerung! Erzbergers,daß er von Bethmann wegen der Abreise der Obersten Hee-resleitung nicht mehr stützen könne, weiß Stresemann nichts.

Der Zeuge Erzberger kann sich der Unterredung vomMorgen des 7. Zuli mit Stresemann nicht erinnern.'

Nach der bestimmten Bekundung des Zeugen Skrsse-mann über den Inhalt dieses Gespräches und Äen Anlaß zuihm hat das Gericht keinen Zweifel, daß Erzberger bereitsbei seiner Rede vom 6. Juli den Sturz des Kanzlers beabsich-tigte. Seine Aeußerung zu Stresemann ist am Margen nach

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