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Der Prozeß Erzberger-Helfferich : ein Rechtsgutachten / mit einem Begleitwort von Siegfried Löwenstein
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dende Aolle gespielt. Daraus mag sich erklären, daß Erzber-ger am Morgen des 7^ Juli die Frw^e des AbgeordnetenStresemann , ob er den Reichskanzler beseitigen wolle, be-saht hat. Für diese Ankwort mochte der Gedanke bestimmendgewesen-sein, zu erfahren, ob sich durch das Znaussichtstellender Beseitigung des Reichskanzlers das Eintreten des ein-flufzreichen Abgeordneten der nationalliberalen Partei für dieFriedensakkion oder wenigstens eine Milderung der Gegner-schaft gegen die Aktion erzielen lasse; denn an sich hatte dienakionvlliberale Fraktion kein Interesse, hinter die Frie-densaktion und «damit hinter den Reichskanzler zu tre-ten, Her ihr wegen seiner passiven dilatorischen Haltungwenig genehm war. Anders, wenn zu der Friedens-aktion eine Aktion zur Ablösung des Reichskanzlers durcheine energischere Persönlichkeit trat. Zn diesem Falle bestanddie Möglichkeit, dasz die Partei die Friedensresolution umder daneben hergehenden Aktion willen mitmachte. In derTat hat Erzberger, wie Stresemann bezeugt, gleichzeitig da-rauf hingewiesen, baß die nationalliberale Fraktion ja mit-wirken könne, indem sie auf den Boden seines Borschlagstrete.") Das weitere Berhalten Erzbergers am 7. Juli: seineAeußerung in der Fraktion und seine Stellung am Abend ge-genüber Stresemann und Oberst Bauer liegt durchaus in derRichtung dieses neuen durch das Dazwischentreten Strese-manns eingetretenen Moments, das zunächst zur Erwägungund schließlich zum Entschluß der Beseitigung des Reichs-kanzlers geführt hat, und es besteht kein Grund,'daran zuzweifeln, daß Erzberger, wie er sagt, bei öer Besprechungmit Stresemann und Oberst Bauer am Abend des 7. Juli sicherstmals zu bem Entschluß, Hen Kanzler zu beseitigen,

*) Nach dem Stenograph. Verhandlungsbericht über die Aus-sage Srresemarms.