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England und wir : Rede über Wirtschaftskrieg und Wirtschaftsfrieden gehalten vor dem Verband des Einfuhrhandels am 16. März 1918 / von Helfferich
Entstehung
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Meine Herren!

Es ist mir eine große Freuds, gerade in Ihrem Kreise zunkerstenmal nach meinem Rücktritt von meinen früheren Staats-»ämtern öffentlich sprechen Zu dürfen, in einem Kreise vion .hervor--,ragenden Kaufleuten, die von der Erkenntnis der Notwendigkeitdes Wiederaufbaus unserer wirtschaftlichen Außenbeziehungenzusammengeführt ävorden sind. Die Jahre meiner eigenen Zu-gehörigkeit zum kaufmännischen Beruf haben mir Gelegenheitgegeben, auf dem weiten Felde unserer Auslandsinteressen, demIhr Verband seine besondere Aufinerksamkeit widmet, tätigzu sein, und diesen Jahren verdanke ich zum wesentlichen Teildas Rüstzeug, 'mit dem ich in dieser großen und schweren Zeitan de°r Führung der Reichsgeschäfte habe mitarbeiten dürfen«Ich bin deshalb gern und dankbar der Einladung Ihres ver-'ehrten Herrn Vorsitzenden nachgekommen, bei Gelegenheit IhrerJahresversammlung vor Ihnen über eine Frage zu sprechen,die Ihre Berufsarbeit so nahe berührt, frei und rückhaltlos^als unabhängiger Privatmann, der unter keiner anderen Ver-antwortlichkeit spricht als seiner eigenen.

M. H.! Ich zweifle nicht daran, daß Sie in der FragsWirtschaftskrieg und Wirt.sch aftsfrieden mit mirin den Grundforderungen übereinstimmen. Ich bin auch nichtetwa hierhergekommen, um Sie zu belehren oder zu überzeugen«Denn ich weiß, daß es ein zwar Seauem!es> aber unfruchtbaresGeschäft ist, Bekehrten zu predigen. Wenn ich mir trotzdemvon dieser Stunde vielleicht unbescheidener Weiss einigenNutzen glaube versprechen zu dürfen, so liegen die Gründeauf einem anderen Feld. Sie alle stehen in der Arbeit und demKampf des Tages. Die nächste Sorge hat das erste Recht, unddas ist gut so. Aber es ist auch' gut!und notwendig, von Zeitzu Zeit haltzumachen und über die nächsten Sorgen hinausden Blick auf den großen Zusammenhang der Dinge zu richten«Goethe sagt im West-östlichen Divan:Wer nicht von dreitausend JahrenSich weiß Rechenschaft zu geben,Bleib' im Dunkeln, unerfahren,Maig. von Tag zu Tage leben!"

M. H.! Erschrecken Sie nicht vor den dreitausend Jahren!Ich biu kein Poet und werde es deshalb billiger machen.-Aber ernstlich gesprochen! Wir leben in einer Zeit entscheid