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England und wir : Rede über Wirtschaftskrieg und Wirtschaftsfrieden gehalten vor dem Verband des Einfuhrhandels am 16. März 1918 / von Helfferich
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und die Sicherung der Herrschaft über Indien, die Eroberungjdes Kaplandes, von Malta , Ceylon und anderen belang-,loseren Kleinigkeiten ganz zu schweigen. Nebenbei bemerkt!Als im siebenjährigen Krieg England sein Ziel erreicht hattemit Hilfe des großen Preußenkönigs, der Frankreich am Kopfehielt, während England ihm seinen überseeischen Rock auszog da ließ England den schwer bedrängten Bundesgenossen,schmählich im Stich und machte hinter seinem Rücken auf seinekosten Friedensangebote. Und nach den napoleonischen Kriegen,wo blieb der Dank für unsere Waffenbrüderschaft? Wo blieb dieErinnerung an Belle Alliance? Die Geschichte des WienerKongresses gibt die Antwort! Das hat freilich Herrn!Balfvur, den weit über das englische Durchschnitts maß philo-sophisch und historisch gebildeten britischen Staatsmann, nichtgehindert, in seiner letzten Rede die Dankbarkeit zu ver-,missen, die angesichts der Rolle Englands im SiebenjährigenKrieg und den napoleonischen Kriegen Deutschland den Briten für ihre Bemühungen schuldig sei. Der Brite ist ebenso gradlinig in seinem politischen Denken, daß er nur sein eiZiele sieht;, er ist sich Zweck der Weltgeschichte und alle anderenNationen sind ihm nur niedere Werkzeuge, die England selbstdafür dank schulden, daß es sie für seine Zwecke benutzt unddann wegwirft.

Wir Deutschen sind weniger großzügig!

Unsere Geschichte, seit Jahrhunderten ausgefüllt mitdem Ringen nach innerer Einheit und mit der Verteidigunggegen kriegslustige und beutegierige Nachbarn, hat unserVolk gezwungen, den Blick auf den nahen Raum einzustellen.Unser Volk ist erst im letzten halben Jahrhundert all-mählich aus der kontinentalen Enge herausgewachsen, ohnesich selbst dessen voll bewußt zu werden. Wer Deutschland Nicht nur von innen,, sondern auch von außen sah, wer an der.Kenntnis der Verhältnisse anderer Länder einen Maßstab hatte.für die Kraft und das Wachstum des eigenen Volkes, derkonnte sich des Gefühls nicht entschlagenz, wie klein und engwir uns selbst sahen. Als ich nicht allzulang vor dem Kriegs-ausbruch in einer Keinen Schrift die beispiellose wirtschaftlich«Entwicklung Deutschlands darstellte, als ich dabei unser Volis-vermögen vorsichtig auf etwas mehr als 800 Milliarden urchunser jährliches Volkseinkommen auf 42 Milliarden veran-schlagte, als ich feststellte, daß wir wirtschaftlich und finanziell!iedein anderen Lande gewachsen seien, da sah ich manches