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Zur deutschen Münzgesetzgebung : Vortrag, 1871 im Berliner Handwerkerverein gehalten / von L. Bamberger
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um die Ansichten, die ich vortrage und vertrete, zu belegen undnahe zu rücken. Die Geschichte Europas ist reich an kritischenPerioden, in denen die Völker schier zur Verzweiflung getriebenwurden durch die schlechte Beschaffenheit ihrer umlaufendenMünzen. Wollte ich nur einigermaßen umfassend die her-vorragendsten Epochen solch trauriger Zustände bezeichnen", sowürde dies allein schon den für diesen Vortrag ausgesetztenSpielraum ausfüllen; ich begnüge mich daher, deren zwei,die der modernen Zeit angehören und die in der Geschichtesehr erinnerlich und Aufsehen erregend stehen geblieben sind,vorzuführen, um an denselben zu zeigen, wie wichtig esdennoch ist, daß die Münzen eine gewisse Beschaffenheit haben;daß sie namentlich einen inneren Werth an edlem Metall habenmüssen, welches man, wenn es auch nicht die Bezeichnung einesgewissen Werthes und das Gepräge einer gewissen Autoritättrüge, doch wie jede beliebige andere Waare, wie ein Stück Blei,Kupfer oder Silber auf dem Markte verkaufen könnte. Dieerste dieser beiden Epochen war die der Münzverschlechterung,welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in England spielte. Von jeher haben sich die Regenten durch harte Verfol-gung der Falschmünzerei und der Münzverschlechterung ausgezeich-net, aber in der Sicherheit, daß sie selber aller Strafe entgehenwürden, auch wieder ihren Konkurrenten in dieser Beziehung dasFeld mit großem Erfolge streitig gemacht. Die Regenten desMittelalters haben immer nach dem falschen Prinzip gehandelt,daß sie glaubten, man brauche nur den Werth einer Münzedurch Proklamation zu erhöhen oder deren inneren Werth zu ver-ringern, um sich selber zu bereichern. Die Geschichte von Frank-reich und von England , namentlich unter den Stuarts, ist reich

an Thatsachen , welche !als Belege für diese Behauptung dienencs?6)