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Zur deutschen Münzgesetzgebung : Vortrag, 1871 im Berliner Handwerkerverein gehalten / von L. Bamberger
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mäßig, mit geringen Schwankungen, auf dem damals gesetzmäßigfestgestellten Fuße von 15^:1, daß es Niemanden einfiel, andieser gesetzlichen Bestimmung zu rütteln und sich über derenWirksamkeit im Verkehr zu beklagen. In den Jahren 1849 und1850 wurden nun die großen kalifornischen Goldminen entdeckt,und, wie es in der Welt sehr häufig geht, daß selten ein Phä-nomen bestimmter Art vereinzelt zu Tage tritt, kurz nachher wur-den die großen australischen Goldminen entdeckt, die in ihrerWeise beinah eben so ausgiebig waren, wie die kalifornischenMinen. Alsbald ergoß sich ein reicher Goldstrom von Amerika und Australien aus über Europa , und die mit staats- und volks-wirthschaftlichen Dingen sich beschäftigenden Menschen geriethenin die größte Aufregung ob der Gefahr, die durch die ungeheuereVermehrung des Goldmetalles in den Werthverhältnissen ent-stehen müßte. Die Franzosen waren auch diesmal als Syste-matiker voran, rasch allgemeine Schlüsse zu ziehen, und ein nochheute lebender Nationalökonom, Michael Chevalier , stieß da-mals zuerst in die Alarmtrompete und erklärte, daß alle Staaten,welche Goldmünzen beibehielten, dem Ruin aller Verhältnisseentgegengehen müßten, weil wir unfehlbar sehen würden, daßdie große Menge Gold die schrecklichste Entwerthung dieses Edel-metalles herbeiführen und eine ganz bedeutende Steigerung derPreise hervorrufen würde. Wenn man die Sache nur so aufdem Papier ansah, so hätte man glauben müssen, daß er Rechthätte, und seine Ueberredungskraft und seine Ueberzeuguugszründewaren so mächtig, daß in einzelnen Staaten die leitenden Män-ner die Frage ernstlich in Erwägung nahmen, ja das KönigreichHolland sich entschloß, die bisdahin bei ihm überwiegend vor-handenen Goldmünzen abzuschaffen und sich der Silberwährungallein zuzuwenden. Etwa 80 Millionen Gold wurden einge-

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