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Zur deutschen Münzgesetzgebung : Vortrag, 1871 im Berliner Handwerkerverein gehalten / von L. Bamberger
Entstehung
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VII. Das Französische Frankensystem, der Frank eingetheilt in

100 Centimen, in Elsaß-Lothringen,zu einem zu verschmelzen und auf ein rationelles System zu-rückzuführen. Ein rationelles System in Maßen, Gewichten undMünzen nennt aber die Gegenwart übereinstimmeudermaßenheute das sogenannte Dezimalsystem, d. h. ein Zählungssystem,welches sich ganz an unser Rechnungssystem anschließt, welchesja seine Additiousreihen nach I, 10 und 100 macht. Es würdeuns das Rechnen auf dem Papier und im Kopfe ja ganz außer-ordentlich erleichtern, wenn wir nicht mehr wie bisher mit denUnterabteilungen 12, 30, 60 zu rechnen brauchten, sondern mit1, 10, 100, 1000, so daß wir ans dem Papier die verschiedenenWerthmengen nur mit Hülfe der Kommas zu unterscheiden ha-ben. Das war also ausgemacht, nachdem auch in Deutschland die Ueberzeugung durchgedrungen war, daß ein internationalesSystem keine Aussicht auf Verwirklichung und Durchführunghabe, weder in Amerika, noch in England , daß wir auf unserenächsten Bedürfnisse sehen müßten und uns der Bequemlichkeitdes Ueberganges aus dem alten in ein neues Münzsystem auchnicht wegen der geringen Hoffnung auf ein künftig noch zu er-zielendes universelles System berauben dürften. Aus diesenGründen beschloß man die Schaffung einer nationalen Münze,beschloß aber auch, dafür nicht den alten Thaler anzunehmen,weil er sich nicht dem rationellen Systeme anschließt, aber docheine Münze, die möglichst wenig Unzuträglichkeiten im Verhält-niß zu den alten Münzen dem deutschen Volke auferlegen unddie Gewöhnung an die neue Münze möglichst erleichtern sollte.So sind wir zu der Mark, gleich 10 Silbergroschen, als Rech-nungseinheit gekommen; es werden also in Zukunft aus einemPfunde Silber 90 Mark ausgebracht werden, statt wie bisher30 Thaler. Der norddeutsche Thaler, der süddeutsche Gulden,

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