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seines Gegenvorschlages, dem englischen Botschafter, indem ererklärte, „it was, of course, impossible to stop a mobilisationwhich was already in progress" (es sei natürlich unmöglich,eine Mobilmachung, die schon im Fortschreiten sei, aufzuhalten).
Keine noch so ungenierte Verdrehung kann also die Tat-sache verdunkeln, dass Eussland, unmittelbar nachdem durchdas von Deutschland veranlasste österreichisch-ungarische Ent-gegenkommen die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens vonneuem Platz griff, ohne vorherige Benachrichtigung, wederseiner Gegner, noch seiner Verbündeten die den Krieg be-siegelnde allgemeine Mobilmachung überstürzte, währendDeutschland mit seinen Gegenmassnahmen bis an die Grenzeder Selbsterhaltung zurückhielt. Die massgebenden KreiseEusslands haben den Krieg gewollt und haben ihnmit verdoppelter Brutalität gewollt, als sich dieAussicht auf einen friedlichen Ausgleich erschloss.
Die Mitschuldigen.
Wenn sich aus den vorstehenden Ausführungen, die samtund sonders nur anf Dokumenten der Dreiverbands-Begierungenberuhen, die unumstössliche Sicherheit ergibt, dass die mass-gebenden Persönlichkeiten Busslands den Krieg gewollt underzwungen haben, so entsteht die Frage, wie dieser mit einerweltenschweren Verantwortung behaftete Entschluss zustandekommen konnte.
Der zwingende Grund der Selbsterhaltung scheidet aus,denn Eussland war von niemandem bedroht.
Der Schutz Serbiens scheidet gleichfalls aus; denn ab-gesehen davon, dass Serbien in keinem Eussland politischoder moralisch verpflichtenden Schutzverhältnisse stand, hatteOesterreich gegenüber verschiedenen Grossmächten sich zurWahrung der territorialen Integrität und der SouveränitätSerbiens verpflichtet.
Sogar die Erhaltung des russischen Prestiges auf demBalkan war nach dem von Oesterreich-Ungarn angebotenenEntgegenkommen keine Sache mehr, die den Appell an dieWaffen begründen konnte.
Die Herbeiführung des Krieges war also für Eussland einereine Opportunitätsfrage. In Ermangelung zwingender Gründekonnte die Entscheidung für den Krieg nur herbeigeführtwerden durch die Ueberzeugung: die Gelegenheit ist günstig,diejenigen Grossmächte niederzuzwingen, welche den mass-gebenden russischen Persönlichkeiten als Hindernis auf demWege ihrer Politik erschienen.
Auf sich allein gestellt, hätte Eussland den Krieg mitOesterreich-Ungarn und Deutschland äusserstenfalls in Ver-teidigung nationaler Lebensinteressen, niemals aber aus derAbwägung der Wahrscheinlichkeit des Erfolges gewagt. Nur
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