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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
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Nortrageuider Rat und 190S Direktor der Anatolischen Eisenbahn, Sannspäter Direktor der Deutschen! Bank! Welchglänzende »MMentliH finan-ziell glänzende! Karriere gogenüber dem armen Schriftsteller Erzberger,der Tag und Nacht sich Sie Finger kvnmm schrieb und sich abarbeitete fürdas allgemeine Interesse? denn ein Geschäft hatte er nicht. Im Jahre 1914bekleidete Herr Dr. Helfferich nicht weniger als 19 Direktoren- oderAufsichtsratsstellen! Ich zeige nur den Glanz der Karriere Helfferichs,um die Gegensätze zu betonen nud 'das Milieu anzudeuten, in dem Dr.Helfferich aufwuchs und seine geschäftlichen Erfolge errang!

Dieses Milieu ist kein solches, wo man auf Erfindungen herein-fällt, oder wo man Zeit, Arbeit und Geld für halb aussichtsvolle Erfin-dungen^ die «och nicht einmal richtig ausgevvobt sind, aufwendet. Darauffällt eben nur ein Mann herein, der denErfindungstick" hat und derallgemeine und soziale Gesichtspunkte hinter den Erfindungen wittert.Herr Dr. Helfferich ist ein viel besserer Geschäftsmann gewesen: er Hotnur gute Geschäfte gemacht! Ich bin überzeugt davon. Und eine»Borwurf kann man ihm «daraus auch gar nicht macheu. Ich will nur er--klären, warum dieser Gegensatz auch in der Beurteilung dessen besteht,was man Geschäftsgeist nennt.

Die Herren sind ja schon früh Gegner gewesen, und vieles aus derThyssengesHichto spricht dafür. Es fehlt mir leider die Zeit, um fo ein-,gehend darauf zu kommen, wie ich es eigentlich gewünscht hätte. DieBeurteilung Her Thysseneingabe im Falle Droitaumout, die für jeden,der unbefangen an Sie Sache herantritt, keinen Zweifel läßt, diese vor-eingenommene Deutung «dieser Eingaben dahin, daß eine Uebereignungverlangt wird, ist überhaupt nur zu erklären aus einer instinktivenFeindschaft gegen alles, was von Erzberger herkommt oder irgendwiemit ihm zusammenhängt. Wie charakteristisch ist diese Aeußerung desdamaligen Staatssekretärs Dr. Helfferich, als Ministerialdirektor Müllermit den von den Abgeordneten abgelehnten Entwurf über die Ausfuhr-aSgaven zurückkommt und ihm erzählt, >daß zahlreiche Abgeordnete, Erz-berger, Südekum und auch andere dagegen seien. Kaum hört Herr Dr.Helfferich «den Namen Erzberger, da äußert er auch schon:Na ja:Thyssen!" da unterstellt er schon bei dieser Sache, wo doch unzweifel-haft nur sachliche Gründe maßgebend gemesen sein konnten, wo zahl-reiche andere Abgeordnete anch die gleiche Haltung eingenommen hattenHerrn Erzberger, er habe sich durch Thyssen zu seiner Haltung bestim-men lassen. Da regt sich schon leise die Hand, die einmal zum Schlagegegen Erzberger ausholen soll? sie wartet nur, bis die Hand zur Tatzegeworden ist wis jetzt!

Bedauerlich ist ja, wenn wirklich der Angeklagte damals schon, wieer sich ausdrückte, die verhängnisvollen' Eigenschaften Erzbergers er-kannt hatte, daß er damals nichts unternommen hat. Die Eigenschaft,die ich gerade bei Erzberger für so wertvoll halte und die eini'o ent-scheidendes Licht auf seine Persönlichkeit wirft und jede Annahme vonKorruption ausschließt, sein Mut, diese Eigenschaft muß dem HerrnAngeklagten doch jedenfalls nicht in dem Maße zu eigen gewesen ssin,wie sie Erzberger immer besessen hat!

Es mag sich in die Motive des Herrn Angeklagten auch eine gewisseAbneigung gegen den ,/Emvorkömling" rein gefühlsmäßig eingeschlichenhaben, gegen den Nichtfachmann, der so alle Gebiete an sich reißt und ^beherrscht. Ich Habs vorhin dargestellt, wie es kaum irgendein Ge-

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