Stet SeP Sffentkichen LevemS gegeVen ha?, SaS Erzberger nicht in He<intensivsten Weise, nicht etwa mit Schaumschlägerei, bearbeitet hat. NunWird dieser Mann Minister, ist damals schon Staatssekretär, sin ehe-maliger Lehrer, der ja eigentlich außer gut Lesen, Schreiben und deut-schem Aufsatz gar nichts gelernt hatte.! Wozn man sonst ein ganzes Lebengebraucht, um von Stufe z>u Stufe, durch großen Fleiß und große hin-gebende Treue sich einen solchen Posten zu verdienen: im Fluge, mühe-los, reißt dieser Mann mit kecker Hand alle Hiesc Dinge an sich! Darinmag auch ein Motiv zu suchen sein, vielleicht das Grunidmotiv. Dereine ist — Haran zweifle ich nicht, und es ist auch kein abfälliges Urteil— Verstandesmensch, Her andere Gefühlsmensch, Der eine ist ein un-vergleichlicher Kenner und Beherrscher des Details. Dem andern istHas Detail, sagen wir: nichts. Er geht immer gleich ins Große,! geradeauf das Ziel, Hem er so unbeirrt zustrebt, daß er unterwegs alltS Mög-liche verliert. Das kann Herrn Dr. Helfferich nie passieren und wir>dihm nie passieren können. Daher ist bei ihm alles so korrekt, ja^ ich binüberzeugt, alles ist bei ihm in Neih und Glied. Wenn ich über Irgendein Faktum vor zehn Jahren ihn fragen würde,'würde er mir inwenigen Minuten einwand- und zweifelsfrei die ganze Sache darlegen-und aufklären.
Aber ich kaun auch nicht glauben -- daß wirklich Hie reine unver-fälschte Liebe zum Vaterlande dieses sein Vorgehen begründen soll. Ichstreite sie dem Angeklagten gewiß nicht ab, wie ich es immer für schäd-lich gehalten habe, wenn man einem deutschen Manne >die Vaterlands-liebe abgestritten hat. Aber Haß diese Liebe zum Vaterlande, die er be-sitzt, wie wir alle, hier so ungetrübt das Motiv ist, daß sie nicht ver-fälscht ist durch die Liebe zur Macht im Vaterlande, das kann ich nichtglauben.
Und Äas ist das Entscheidende, und >da keimt «der wahre politischeGrund, Sie tatsächliche Wurzel Hieses Vorgehens des Angeklagten gegellmeinen Klienten. Und wie ist er gegen ihn vorgegangen, wie beleuchtenHie Mittel, die er angewandt hat, aufs allergrellste seine Motive!Warum ist er -denn nicht im offenen politischen Kampf vorgegangen?Muß ich an den „Tiger" Clemencean, nnsern von unsglühend gehaßten Feind erinnern, der den Namen „der Ministcrstürzcr"führt? Hat er je, svweit ich gehört habe, ein anderes Mittel benutzt, umMinister zu stürzen, als ihnen im Parlament ein Bein zu stellen undsie i>m Parlament in den Sand zu legen? Was tut der „Ritter " Helfferich?Der geht vors Tribunal, und hier müssen Sie Zeugen heran, zunächstmit allgemeinen Beschnldigungen ^- ich habe das schon vorhin erläutert,Es werben nur zwei Vorposten vorgeschickt: die Fälle Dhyssen unHBerger? Sie Hanptstreitmacht soll erst in der Verhandlung kommen.Nun ist ihm ja, wie ich fest überzeugt bin, bei der Berechnung seinerStrcitkräfte ein kleiner Irrtum unterlaufen. Nämlich Hie Hanptstreit-kräfte, das waren, nach Meiner festen Ueberzeugung die KapitalSverschie-bnngen in die Schweiz und Hie Millionen in der Schweiz . Wirhaben dafür untrügliche Anzeichen, daß danach monatelang geforschtworden ist. Und' wenn ich auch annehme, daß Helfferich diese Dingenicht Hirekt veranlaßt hat, so habe ich doch keinen Zweifel, daß es fürihn geschehen ist, nicht sür ihn persönlich, aber für seinen Kampfgegen Erzberger. Denn er war die Spitze dieser Bewegung, in ihmkonzentrierten sich alle Kräfte, und ihm wurde alles zugetragen, was
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