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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
67
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scheiden, da die Ablehnung, des Friedens nicht nur die Fovtfetzuiig des Muti-gen Krieges bedeutet, sondern auch den Verlust unserer nationalen Einheugebracht hätte. Der Feind wäre nrit blutiger Waffengewalt eingerückt undhätte nach kurzer Frist eine Reihe von deutschen Separatfrieden mit einzelnendeutschen Ländern erzwungen. Da stand mehr als je zuvor in der Geschichteunseres Volkes alles auf dein Spiel, Die Mainlinie und Rheinbund-gedanken lebten ans. Der deutsche Volkskörper wäre bei Nichtuilterzeichnungin Fetzen gerisse« worden Im Innern aber wäre gleichzeitig ein mörde-rischer Bruderkrieg ausgebrochen, Maugel an Kohle und Lebensmittelnhätten Deutschland vollkommen ruiniert, und ein noch viel schlechterer Friedewäre lins dann schließlich oufgezwungen wordeil. Ich wußte, daß infolgemeiner Haltung die vergifteten Pfeile der Helfferich-Grupve cmf meineBrnst gerichtet sein würden, und doch stellte ich mich im entscheidendenMoment offen und bereit für den Friedensschluß auf. Ich habemeine Pflicht für das Vaterland getan. Ich rechnete aberauch zuversichtlich damit, daß das schlechteste Buch des Jahres der Friedensvertrag von Versailles keinen langen Bestand habenkönne und daß die Zeit und der ehrliche Wille zur Wiedergutmachung unserebesten Bundesgenossen zur Revision des Friedens fein ivürden. Von Tagzu Tag mehren sich die Anzeichen für die Richtigkeit meiner Rechnung. Wiebin ich wegen dieser meiner nationalen Pflichterfüllung angegriffen worden?Drei Anschlüge auf mein Leben wurden durch vergiftete Agitation hervor-gerufen: das erste Mal am Tage der Friodensunterzeichnung durch Landes-jäger in Weimar , dann bald darauf des Nachts durch HaMgranaten und Ge-wehrschüsse auf mein Arbeitszimmer im Reichsfinaiizministerinm, wo ichkurze Zeit wohnte, und endlich der Schuß von Moribit.

Die Finanzreform.Nach dem Friedensschluß erhielt ich das undankbarste Ami für alleZeiten das R e ichs f i nan zm i n ist eriu m wurde mir übertragen.Rasches und rücksichtsloses Handeln nur gab die Möglichkeit, uns zu retten.In einem aus der Not gebotenen Tempo winde unter meiner Führung diereichseigcne Steuerverwaltung geschaffen, ein hochbedeutsames nationalesWerk, das weder ldem neuen Deutschen Reich, noch dem alten Deutschland nnter den Wvltkaisern gelungen ist. Als ich in Weimar bald nach meinerUebernahme des Amtes vor den berühmtesten Hochschullehrern für National,ötkonmnie und Finanjzwissenschäft dieses Ziel entrollte, anerkannten sie dieGroßzügigkeit des Planes, hielten ober die Durchführung für lauu« erreich-bar. Es fiel damals das Wort, wenn ich diesen Plan verfolge, sei ich nachacht Tagen nicht mehr Finanzminister. Nach zwei Monaten war der PlanGesetz Die Reichsabgabenordnung mit ihrem einheitlichen Steuerrechtschloß sich an und dürfte ein Markstein der internationalen Steuergesetz-gebung werden. In rascher Folge kamen die Wegsteuerung des Ver>'mögenSzuwacheses im Kriege, die Erbschaftssteuer, die Tabaksteuer und dasvielumstrittene Reichsnotopfer zustande. Me Reichseinkommensteuer stehtvor dem Abschluß. Das finanzielle Verhältnis in Reich, Ländern und Ge-meinden wird auf eine neue Grundlage gestellt, und das alles in nicht ganzneun MoMten> was man früher nicht in neun Jahren geschaffen hätte.