Jedes neue Steuergesetz brachte mir neue Gegner, ja Feinde, aber ichhandelte zum Wohle d°es Vaterlandes/ in Erkenntnis des Satzes, daß einpopulärer Finanzminister nur der sein kann, der seine Pflicht nicht erfülltund die Sorgen der Gegenwart seinem Nachfolger überläßt. Ich lege auf dasUrteil derGeschichte mehrWert, als auf Tageshuldigungen. Mkine im Inter-esse des Vaterlandes notwendige und dabei sehr sozial ausgestaltete Steuer-gesetzgcbung mußte mir, namentlich in den besitzenden Klassen, viele Feindeschassen, das wußte ich. Den vergiftenden Haß kann ich allerdings nicht be-greifen. Auch in der Steuerpolitik blieb ich Demokrat» christlicher Demokrat.Der Erfolg der heutigen Regierung ouf diesem Gebiet ist ein «unbestrittengroßer und für den! Wiederaufbau entscheidender. Der neue ordentliche Etatfür 1920 balanciert in Einnahme >und Ausgabe, >da fast alle Abgaben imWeilesten Sinne des Wortes in Prozenten des Wertes erhoben werden.
Jür die Reichseiicheit.
Im Verein mii meinen Ministerkollegen Bell und Giesberis konnte ichwährend dieses Prozesses das große Werk der Verreichlichu'ng von Eisen-bahnen und Post zum Albschluß bringen gegen fast unüberwindliche Schwie-' rigkeilen, und damit Dmtschlands Einheit festigen. Ich sehe auch im Geisteschon die Stammesbrüder von Deutsch -Oesterreich in unserem gemeinsamenVaterhaus, und ich arbeite unermüdlich an diesem großen Ziel.
Der Wiederaufbau.
Im neuiralen Ausland hat man volles Vertrauen zu' meiner Finanz-Politik; trotz unverantwortlichen Gegenströmungen in Deutschland ist es mirdoch gelungen, verschiedene Kreditabkommen vorzubereiten, oder zum Ab-schluß zu bringen. Sie sollen die Grundlage fär 'die lgesamte neue inter-nationale Kreditgewährung für unseren Wiederaufbau werden. Alle dieseMaßnahmen sind auf wette Sicht angelegt.
Die Fehler der anständigen Menschen.
Ich habe diesen Saal mir ruhigem Gewissen betreten und ich verlasse ihnerhobenen Hmiptes. Man hat nahezu mein ganzes Leben durchwühlt. DieFehler des guten Charakters treten hervor — allzu große Hilfsbereitschaft —sage-'ich besser: N ächst e n 'l i e b e aus der einen Seite, Vk?rtra »> en indie Angaben der Hilfesuchenden auf der anderen Seite. Ich habe denFehler aller anständigen Menschen: ich habe als Abgeordneter demjenigen,der mit mir sprach und meine Hilfe erbat, manchmal zu' viel vertraut. Ichfürchte, daß ich diese beiden „Schattenseiten" als unveräußerlichen Teilmeines Ichs dercitist ins Grab mitnehmen werde, weil ich an «der Mensch-heit nicht verzweifeln will. Gewiß wurde ich oft ausgenutzt und auch miß-braucht, aber ich erlahmte nicht im Dienste für die Aermsien unseres -Volkes;Witwen, Waisen, Veteranen, KriegsbefHädigte und andere, auch Abgeord-nete haben sich mir in den letzten Wochen vls Zeugen angeboten, um hier zuerscheinen und zu bekunden, daß vas, was hier über meine politische Tätig-keit erörtert wurde, nicht ein Zehntel pro Mille meiner gesamten Tätigkeitdarstellt und darum ein ganzes Bild meiner Persönlichkeit nicht gibt,sondern eine Fratze, ein Zerrbild. Die ProzeWhrung läßt dies nicht zu;