Kür Erzberger
Aus der Rede des Geheimen Justizrates Dr. v. Gordqn jZ... LI^I
Meine Herren Richter! Der Herr Vertreter des Angeklagten hat sichgestern in die Toga des Sittenrichters gehüllt und im Tone der alten Pro-pheten nnserer bösen heutigen Zeit ein «Wehe, wehe" zugerufen.Er hat leider vergessen, hinzuzufügen, daß die Sünden unserer Zeit cWvas Erbteil derjenigen Periode anzusehen sind, während deren währendKrieges der Angeklagte an der'Spitze der Leitung unseres gesamten Wirt-schaftslebens gestanden hat. Sicherlich ist aus dem Kriege eine schwereKorruption erwachsen, aber das eine weiß i<ch daß wir nicht durch hoch-tönende Worte, sondern ausschließlich durch redliche, emsige Arbeit dieserKorruption Herr werden können.
Mein Gott! Wenn in Wirklichkeit alles wahr wäre, was die Gegen-seitc als wahr unterstellt, und das wäre der Gipfel unserer Korruption,daß jemand also als Anfsichtsrat oder als Parlamentarier etwas intensiverund vielleicht eifriger, als er es sein soll, die Interessen seiner Gesellschaftfür die er als Aufsichtsrat fungiert, wahrgenommen hat, zuviel tut fürdiesen oder jenen Freund, so würde dies Wohl nicht recht sein, aber ichwürde doch unser Vaterland glücklich preisen, wenn das der Gipfel derKorruption sein würde. Und darüber hinaus. Gab es nicht in nnsererguten, alten Zeit recht reichlich ähnliches, gab es damals etwa keine Kon-nexionen?
Katt Thyssen
Thyssens vier Gründe für Erzbergers Berufung iu den Anfsichtsrat.
Vier Gründe waren es, die den alten Thyssen, — bekanntlich ist er einaußerordentlich kluger Mann! — bestimmt hatten, Erzberger in seinen Auf-sichtsrai zu bitten. Thyssen saß draußen in Mühlheim, weit von Berlin ,und hatte dort keine genügende Orientierung. Ein so großes Unternehmenwie das von Thyssen, das im Auslande geschätzt wird, braucht jemanden,der die innerpolitische und außerpolitische Lage kennt.
Zweitens war auch während des Krieges, wie bereits der Herr Vor-fitzende hervorgehoben hat, ein Wust von Verordnungen erschienen. Maukonnte sich Äurchi diese Dinge nicht hindurchfinden. Es bedürfte einer parla-mentarischen Persönlichkeit in der Hauptstadt, die genau Wer alles orien-tiert war und die einen guten Rat im Anfsichtsrat geben tonnte.
Drittens handelt es sich um die allgemeinen Interessen der Schwer-industrie. Schon im Frieden war die Schwerindustrie eine derjenigen In-dustrien, die Deutschland mächtig gemacht haben über die ganze Erde hinweg.Thyssen hat uns, die wir bei ihm waren bei der Vernehmung, der ersteStaatsanwalt, der Herr Referent und ich, geschildert, wie nachseiner Auffassung der ganze Ausgang des Krieges davon abhing, daß dieErzversvrgung vollständig in Ordnung war. An Stelle der abgeschnittenenGruben des Auslandes mußte irgendetwas anderes an die Stelle treten,die schwedischen Erze und sonst dergleichen. Mit einem Worte: die Erz-IS