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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
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Zum Verständnis des Prozesses.

Das Duell zwischen Helsferich und Erzberger hat sein Ende gefunden.Wann es seinen Anfang genommen, ist schwer zu sagen. Die Gegnerschaftder beiden Männer liegt schon in ihrer Herkunst und Entwicklung, in ihrerpolitischen und kulturellen Weltanschauung begründet. Da beide das Durch-schnittsmaß nicht unerheblich überragen, konnten sie, sobald sie sich einmalim öffentlichen Leben begegneten, nicht aneinander vorübergehen. Siemußten zusammenstoßen. Vom Jahre 1903 an, da Erzberger zum erstenMale als Abgeordneter in den Reichstag gag, datieren nach Helfferichseigener Aussage seine Zusammenstöße mir ihm in seiner Eigenschaft alsBeamter der Kolonialabteilung. Das Dnell begann und setzte sich fort bisauf den heuiigen Tag, wo es gleichsam durch Schiedsspruch ein vorläufigesEnde gefunden hat.

Die ersten Gänge des langgeführten Zweikampfes spielten sich mehrunter der Oberfläche ab, bei den Debatten des Reichstages, in Sitzungender Ausschüsse, durch gelegentliche Zeitungsartikel, in Versuchend einandervor den Augen Dritter bloß und kalt zu stellen.

Um nur an einiges zu erinnern:

Im März 1905 bekämpfte der Abgeordnete Erzberger im Reichstagaufs Schärfste die Privilegien und Begünstigungen, die man der Ostafrika --nischen Bank seiner Meinung nach zum Schaden des Reiches gewährt hatte.T^r damalige Kolonicklbeamte Helsferich trat ihm als Kommissar desBundesrates nicht minder entschieden entgegen. Auf Seiten Erzbergersstand damals unter anderen der Abgeordnete Dr. Südekum, auf der Helffe-richs der Abgeordnete Paasche. Die Ostafrikanische Bank, dereA Interessedamals Helsferich lvahrnahm, war eine Zweigstelle und Gründung derdeutschen Bank, deren Direktor Helsferich später wurde.

Ein anderer Zusammenstoß fand im Dezember desselben Jahres statt.Erzberger beanstandete die finanziellen Abfindungen und Provisionen, die-in der Kameruner Gisenbahn-Angelegenheit hochstehenden und einfluß-reichen Personen von Staats wegen zugebilligt waren, und warf in derKöl-nischen Volkszeitung" dem Geheimen Rat Dr. Helsferich vor, in dieser Sacheunrichtige bezw. unvolllstänoige Angaben gemacht zu haben. Noch im Januar

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