,.'en Eigenschaften zu tun, die diese Tat erklären. Und da darf ich nicht an-sichen, zu erklären, daß das Hauptmotiv für seine Schmähungen persönlicherHaß gewesen ist. Zu dieser Ammhme zwingt mich a. die Aeußerung desHerrn Angeklagten bezüglich des Erwerbes der Hapag -Aktien durch Erz-berger, wo er ironisch sragte: War Ihr Vertrauen aus die Bereitwilligkeitder Feinde, die deutsche Handelsflotte wieder herauszugeben, nicht vielmehrein Vertrauen zu der Kurseuiwickluirg Ihrer angekauften Hapag -Aktien?Diese Aeußerung und die ähnlich groteske Kombination betreffes des Zweckesder dem Abgeordnelen Hermann verständigerweise gewährten Ausnahmelassen dermaßen jedes Augenmerk vermissen, daß bei einer so klugen Per-sönlichkeit wie dem Angoklagten nnr die Annahme leidenschaftlichen Hassesübrig bleibt. Der Herr Angeklagte mag sich selber darüber täuschen, aber erverstößt dann gegen das Socratische Gebot: Erkenne Dich selbst. Gern willich glauben, daß neben diesem persönlichen Motiv auch ein starkes ideal-polilisches Moment bei dem Angeklagten mittreibend gewirkt hat.
Das Bild des Politikers und des Finanzmannes Erzberger wird, vomder Parteien Gunst und Haß entstellt, noch lange schwanken, bis ihm die^Geschichte endlich den richtigen Platz anweist; die persönliche Ehrenhaftig°>keit aber, der Charakter Erzbergers kann in keiner Weise mit irgendwelchemGrund in Zragc gestellt werden.
Hieb und parads
Aus dem Plaidoyer des Rechtsanwalts Dr. Engen Friedlaender.Feinde ringsum!
Feinde ringsum, meine Herren Nichter, das können wir mit Rechtsagen. Noch vor etwa acht Tagen sagte mein Gegner: „In ider Sachesinb Sie doch fünf gegen uns zwei." Das Blättchen hat sich gewendetnach der veränderten Stellungnahme der Staatsanwaltschaft stehen jetztvier gegen uns drei.
Seit Jahren spukt die Verleumdung gegen meinen Klienten: isui^ervseit svnäo. Die widersinnigsten und törichtigsten Beschimpfungen»nid Gerüchts wurden geglaubt, nicht nur von vorurteilslosen, sondernauch von urteilsfähigen Menschen. AA^allem war Erzve rger s chuldhinter allem Keckte ErhbeMer^unb all^
Erzberger gehä ngt."' I ch erinnere d^ran^ wie Ferdinand Lassallc behan-delt wurde/äls'er wegen gemeinen Kassettcndiebstahls vor den Geschwo-renen stand und sich mit Recht über die Heuchelei der von Eigennutz zer-fressenen Welt ereiferte. Es liegt Nicht fern, 'dieses Wort auf diesenProzeß anzuwenden unb mit einem auch der Gegenfeite gewiß unver-dächtigen Beurteiler, Heinrich von Treitschke , zu fagcu: „Es bleibt einetraurige Wahrnehmung, daß -die sogenannte öffentliche Meinung immerviel moralischer ist als der einzelne Mensch und was der gewöhnlicheMensch, wenn er unbeteiligt ist, an Tugendkosakcntum leistet, das istunglaublich."
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