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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
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Schwächen. Glaubt man Senn wirklich, Saß »in korrupter, im Markvon der Geldgier angefressener GeschäftspoNtiker den Weg hätte machenkönnen, den er, nur MM auf sich selbst gestellt, genommen hat? Daßein so verderbter Catilinarier von der Wählerschaft von Biberach immerwieder auf öen Schild erhoben worden wäre? Nein, meine Herren, sound auf so lange Zeit läßt sich der gesunde Sinn des Volkes nichttäuschen! Es sah einen Mann in ihm, der von sich sagen Kars :Nurder verdient sich Freiheit und das Leben, der täglich sie erobern mutz!"

Ich nehme für Erzbcrger in Anspruch, daß er immer das Gnte nnddas Rechte gewollt «nd daß er es oftmals erreicht hat. Und wenn er sichanch in der Wahl der Mittel zuweilen vergriffe« hat, so zcngt ein ganzesLeben im Dienste des Volkes für ihn, «m ihn nicht zum geschäfMpolitischen Verbrecher stempeln z« lassen.

ErzHerger verteidigt sich

Rede des Reichssinanzmimsters vom 10. März.

Meine Herren!

Ein typischer Vertreter der abgetanen autokratischeu Bürokratie undPlutokratie kämpft hier mit allen erdenklichen, erlaubten und unerlaubtenMitteln gegen einen Vertreter der jungen deutschen Demokratie, welcheallein die Zukunft und Rettung des deutschen Volkes verbürgen kann. DerKampf in diesem Saale war >ein ungleicher; ich stand unter meinen? Eide ,mußte über Erlebnisse der letzten 15 Jahre aussagen, durfte zu keinem sonaheliegenden Gegenangriff ausholen und wurde fast täglich mit Materia-lien nicht immer zweifelsfreier Herkunft überfallen. Der Angeklagte sam-melt seine Angriffs seit Jahren. Zahllose meiner politischen Gegnerarbeiten für ihn; ihn traf keinerlei strafrechtliche Verantwortung für seineBehauptungen, mochten diese auch noch so sehr aus der Luft gegriffen sein,und ein moralisches Verantworwngsgefühl hat er hier nicht an den Taggelegt. Er verdächtigte hochangesehene Männer und Firmen, brachteKlatsch in üppiger Fülle an, reihte nicht zusammenhängende Vorgänge an-einander und vergiftete jode meiner politischen und persönlichen Hand-lungen. Diesen ungleichen Kampf sah ich voraus, und doch begab ich michin den Gerichtssaal, weil ich ein gutes Gewissen habe. Ich hätte den Prozeßverschleppen können, namentlich nach meiner Verwundung. Ich drängteaber auf Weiterführung. Der Angeklagte hat den persönlichen Karnpf ineiner Weise geführt, daß ein Wirrkopf unter Berufung auf ihn seine Mord-waffe auf mich gerichtet hat, wobei mir Gottes Schutz offensichtlich zuteilwurde. - Der Mordversuch bleibt für alle Zeiten an den Rockschößen desehemaligen Vizekanzlers Helfferich als eine Folge seiner unverantwortlichenKampfesweife hängen.

Sinn und Zweck des Prozesses.Warum dieser. Kampf gegen meine Person? Man will die Demo-kratie treffen und die ruhige Entwicklung nach auftoärts aufhaken. Dieheutige Negierung soll beseitigt werden. Der Reaktion will man die Wege62